Protest gegen Mohammed-Karikatur
Proteste vor der Batley Grammar School am 26 März 2021. Foto: picture alliance, empics, Danny Lawson

Unterwerfung unter islamische Vorgaben
 

Mohammed-Karikatur: Lehrer versteckt sich vor protestierenden Muslimen

Der Fall des Lehrers der Grammar School im nordenglischen Batley, gegen den es aufgebrachte Proteste von Muslimen gab, hat es bis auf die Titelseite der Times geschafft. Sein Vergehen: Vor ein paar Tagen hatte der Pädagoge im Fach Religionskunde einige der berühmt-berüchtigten Mohammed-Karikaturen aus der Zeitschrift Charlie Hebdo gezeigt und mit den Schülern darüber gesprochen. Genau das war vor knapp einem halben Jahr dem französischen Lehrer Samuel Paty zum tödlichen Verhängnis geworden – ein extremistischer junger Muslim lauerte ihm nach der Schule auf und schnitt ihm den Kopf ab.

Der Pädagoge in Batley nahe Bradford, einer Stadt die einen großen Anteil an Muslimen beherbergt, hat nun gemerkt, wo die tatsächlichen Grenzen der Lehrerfreiheit im Großbritannien des 21. Jahrhunderts liegen. Nach lautstarken Protesten von Eltern und extra angereisten Muslimen warf sich die Schulleitung in den Staub und veröffentlichte tief zerknirscht eine Entschuldigung für das „völlig inakzeptable“ Unterrichtsmaterial. Auch der Lehrer musste sich „aufrichtig“ entschuldigen. Die Schule hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet und währenddessen den Lehrer vom Dienst suspendiert.

Lehrer versteckt sich auf Anraten der Polizei

Die unterwürfigen Bitten um Verzeihung reichten aber offensichtlich nicht mehr. Im Internet kursieren schon zahlreiche Aufrufe von muslimischen Organisationen, die – im übertragenen Sinne – seinen Kopf fordern. Etwa der lokale Muslim-Verein „Purpose of Life“ schreibt, der Lehrer dürfe nie wieder unterrichten wegen seines „sadistischen“ Vergehens. Auch die Ramadhan-Stiftung aus Manchester wütete, der Lehrer habe einen „widerwärtigen Angriff gegen den Glauben“ unternommen. Er habe wissen müssen, „wie sehr das seine 70 Prozent muslimischen Schüler“ treffe.

Am Donnerstag hatten sich mehrere Dutzend muslimische Demonstranten vor der Schule zusammengefunden, schrien die eilig herbeigerufene Polizei an und blockierten den Eingang. Bildungsminister Gavin Williamson hat inzwischen durch seinen Sprecher als „inakzeptabel“ verurteilen lassen, daß es Drohungen gegen den Lehrer gab. Aber Williamson vermied es, sich eindeutig zugunsten der Meinungsfreiheit zu positionieren. Auch anderen Politiker warnten, nicht noch „Öl ins Feuer“ zu gießen und vermieden klare Stellungnahmen.

Nachdem es sogar Todesdrohungen gegen den Pädagogen gab, hat er hat sich laut Daily Mail auf Anraten der Polizei inzwischen mit seiner Freundin an einem geheimen Ort versteckt.

Petition zur Wiedereinsetzung des Lehrer gestartet

Mit Empörung hat die „Free Speech Union“, eine Gruppe die sich für die Meinungsfreiheit einsetzt, darauf reagiert, daß die Schule vor einem „Zensur-Mob“ eingeknickt sei und den Lehrer suspendiert hat. Damit signalisiere die Schule, daß es tatsächlich ein Vergehen sei, den Propheten Mohammed im Bild zu zeigen. Die öffentlich finanzierte Schule unterwerfe sich damit dem islamischen Verständnis eines Bilderverbots und verletzte ihren Bildungsauftrag einer kritischen Auseinandersetzung. Muslimische Schüler müssten sich durch Mohammed-Zeichnungen nicht mehr verletzt fühlen als Christen durch den satirischen Film „Life of Brian“. „In diesem Land steht kein Blasphemie-Verbot über der Freiheit der Rede“, meint Toby Young, Journalist und Generalsekretär der Free Speech Union.

Immerhin haben am Freitag Schüler der Batley Grammar School eine Petition für ihren unter Feuer geratenen Lehrer gestartet und fordern, seine Suspendierung aufzuheben. Der Lehrer sei nicht rassistisch oder „islamophob“, versichern sie. Innerhalb eines halben Tages kamen 7.000 Unterschriften zusammen.

Bei all dem ist die Angst der Öffentlichkeit förmlich zu riechen, daß sich „französische Verhältnisse“ auch im Königreich ausbreiten könnten. Es fehlt auf der Insel nicht an einer lebendigen, aggressiven Extremistenszene, aus der sich immer wieder Gewalt- und Attentäter aufmachen. Immer wieder erschüttern islamistisch motivierte Anschläge das Land, etwa im vergangenen Jahr der dreifache Messermord in einem Park in Reading durch einen syrischen Asylbewerber. Davor hatte in Südlondon ein wegen IS-Propaganda verurteilter Ex-Häftling zwei Menschen erstochen. Davor hatte im Dezember 2019 auf der London Bridge ein Islamist, der an einem Resozialisierungsprogramm teilnahm, mehrere Menschen getötet. Im Juni 2017 fuhren drei Angreifer ebenfalls auf der London Bridge mit einem Kleintransporter in Passanten und stachen mit Messern zu, sie töteten acht Personen und verletzten fast fünfzig weitere Menschen teils schwer. Im Frühjahr 2017 hatte ein Selbstmordattentäter mit libyschem Migrationshintergrund bei einem Konzert von Ariana Grande in Manchester sich und 22 Menschen in die Luft gesprengt. Die Kette der islamistischen Anschläge ist lang.

Britische Bevölkerung reagiert mit Gleichmut

Und umso verblüffender ist, mit welchem Gleichmut ein Großteil der britischen Bevölkerung darauf reagiert. Viele ziehen es vor, die Augen zu schließen, wenn islamistischer Fundamentalismus sich erhebt, der auch in dutzenden Islam-Schulen des Landes wenig verdeckt gelehrt wird. Schon als vor fünfzehn Jahren eine auf der ganzen Welt orchestrierte Welle von Protesten gegen die damaligen dänischen Mohammed-Karikaturen wogte, war die britische Insel Schauplatz absurder Szenen: Vor dem Parlament in London tobten Muslime mit Plakaten mit der Aufschrift „Behead those who insult Islam!“ (Köpft jene, die den Islam beleidigen!). Daneben standen die „Bobbies“, britische Polizisten, in ihren gelben Warnwesten. Die Toleranz im Vereinigten Königreich sieht in solchen Momenten nur wie Feigheit aus.

Toby Young von der Free Speech Union weist darauf hin, daß das lateinische Motto der Schule in Batley Forte non Ignave lautet. Mutig, nicht ängstlich. Die Unterwerfung unter islamische Vorgaben vollzieht sich schrittweise.

Proteste vor der Batley Grammar School am 26 März 2021. Foto: picture alliance, empics, Danny Lawson
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