Sea-Watch 4 im Hafen von Palermo
Sea-Watch 4 im Hafen von Palermo Foto: picture alliance / ROPI
Sizilien

„Sea-Watch 4“: Italienische Küstenwache setzt Flüchtlingshilfsschiff fest

PALERMO. Die italienische Küstenwache hat das deutsche Flüchtlingshilfsschiff Sea-Watch 4 in der sizilianischen Hafenstadt Palermo festgesetzt. Begründet worden sei die Entscheidung mit Sicherheitsmängeln, teilte Sea-Watch am Sonntag mit. „Elf Stunden lang suchten die Inspektoren nach der Nadel im Heuhaufen – und fanden einmal mehr absurde Gründe, um uns festzusetzen. Mit dieser willkürlichen Blockade setzt die italienische Küstenwache bewußt Menschenleben aufs Spiel.“

Die Inspekteure hätten unter anderem bemängelt, das Abwassersystem des Schiffs sei nicht für die Anzahl der aufgenommenen Migranten ausgelegt. Zudem seien zu viele Rettungswesten an Bord. Der Einsatzleiter der Sea-Watch 4warf den Behörden vor, bewußt den Tod von Menschen in Kauf zu nehmen. „Seenotrettungsoperationen sollen verhindert werden, damit kein Mensch die europäische Küste lebendig erreicht.“

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Die Crew hatte Anfang September mehr als 350 Migranten in den Hafen Palermos gebracht. Dort übergab sie die Einwanderer an ein Quarantäneschiff. Auch die Sea-Watch-Besatzung verbrachte zwei Wochen in Quarantäne und wollte nun wieder auslaufen. Das Schiff wird auch von dem Bündnis „United4Rescue“ unterstützt, das unter anderem mit Geldern der Evangelischen Kirche in Deutschland finanziert wird.

„Alan Kurdi“ nimmt Migranten auf

Ein weiteres deutsches Schiff, die Alan Kurdi, hatte am Sonnabend 133 Migranten aus drei verschiedenen Booten im Mittelmeer aufgenommen. Wie die Betreiberorganisation Sea-Eye mitteilte, hätten zwei der Boote über kein Satellitentelefon verfügt, „sodaß die Menschen niemals Hilfe hätten rufen können. Sie wären nirgends angekommen“. Rund die Hälfte der Asylsuchenden sei minderjährig.

Die Organisation mit Sitz in Regensburg befürchtet eine Blockade ihres Schiffs. „Die italienischen Behörden unterstützen zivile Seenotretter*innen nur noch sehr zögerlich und halten unsere Schiffe lieber über Wochen in ihren Häfen fest. Man scheint dort keine Skrupel zu haben, die geretteten Menschen und die Besatzungen durch Blockaden in Gefahr zu bringen, um anschließend auf eine durchschaubare Weise zu argumentieren, daß die Schiffe für genau diese Situationen nicht geeignet seien.“

Der Flüchtlingszustrom über die zentrale Mittelmeerroute war in den vergangenen Monaten wieder angestiegen. Die italienische Regierung hatte darauf unter anderem mit mehr Quarantäneschiffen reagiert. Der Großteil der Migranten gelangt nicht mit privaten Hilfsschiffen nach Italien, sondern durch „autonome Anlandungen“. Als solche bezeichnen italienische Behörden Ankünfte, bei denen Flüchtlinge es mit kleineren Booten direkt an italienische Küsten schaffen. (ls)

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