England

Sexuelle Vielfalt: Schule knickt vor Moslem-Protesten ein

BIRMINGHAM. Eine Grundschule im englischen Birmingham hat eine Unterrichtsreihe über sexuelle Vielfalt nach den Protesten moslemischer Eltern eingestellt. Es werde in diesem Schuljahr keine weiteren Unterrichtsstunden zu dem Thema mehr geben, schrieb die Schulleitung in einem Brief an die Eltern, wie die Zeitung The Guardian berichtet. Zugleich betonte die Parkfield community school, an ihrem Ethos der Weltoffenheit festhalten zu wollen.

Die Bildungseinrichtung reagierte damit auf die seit Wochen anhaltenden Proteste der Eltern. Sie werfen der Grundschule vor, einen schwulen und transgender-freundlichen Lebensstil zu propagieren. Am vergangenen Freitag waren rund 600 moslemische Kinder für den Tag aus der Schule geholt worden. Bereits im Februar hatten 400 zumeist moslemische Eltern eine Petition gegen diese Unterrichtsinhalte unterzeichnet.

Mütter und Väter hatten vor der Grundschule im Stadtteil Saltley demonstriert. Auf Schildern forderten sie: „Bildung statt Indoktrination“ und „Sag nein zur Verbreitung von Homosexualität“.

Verantwortlicher der Unterrichtsinhalte werde bedroht

Der Autor des Leitfadens für die Unterrichtsreihe, Andrew Moffat, sagte, er sei bereits in der Vergangenheit wegen seiner Arbeit bedroht worden. Zuvor hatte er sich wegen einer ähnlichen Auseinandersetzung mit moslemischen und christlichen Eltern von einer anderen Grundschule zurückgezogen.

Der Unterricht für sexuelle Vielfalt umfaßte fünf Unterrichtsstunden pro Jahr. Dazu gehörte auch die Lektüre von Büchern über gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehen.

Themen seien unangebracht für Kinder

Der Streit um die Unterrichtsinhalte begann, nachdem eine moslemische Mutter ihre zehn Jahre alte Tochter von der Schule genommen hatte. Sie kritisierte, die behandelten Themen seien unangebracht und zu komplex für Kinder.

Auch in Deutschland sorgen Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung seit Jahren für Diskussionen. Hintergrund ist das Ziel sexualreformatorischer Kräfte, die Akzeptanz für unterschiedliche sexuelle Lebensstile zu steigern. (ag)

Sexualkundeunterricht soll offener und intimer werden, doch das stößt auch auf Kritik Foto: picture alliance/dpa

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