„Politischer Kampf“

„Open Arms“ lehnt Angebot von Spanien ab: Salvini bleibt hart

ROM. Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega) hat die Flüchtlingshilfsorganisation Proactiva Open Arms aufgefordert, mit ihrem Schiff einen spanischen Hafen anzusteuern. Die Open Arms befindet sich derzeit mit 107 Einwanderern an Bord vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa.

„Warum fährt die Open Arms nicht nach Spanien? In 18 Tagen wären sie dreimal zwischen Ibiza und Formentera hin- und zurückgefahren“, sagte Salvini im Rai Radio 1. „Das ist ein politischer Kampf für sie.“ Die Crew hatte Anfang August an mehreren Tagen rund 160 Einwanderer auf dem Mittelmeer aufgenommen. Derzeit befänden sich noch 107 Personen an Bord, darunter zwei Minderjährige. Sechs Länder, darunter auch Deutschland, haben bereits die Bereitschaft signalisiert, die Zuwanderer aufzunehmen.

Am Sonntag hatte die spanische Organisation das Angebot ausgeschlagen, den andalusischen Hafen Algeciras ansteuern zu dürfen. Sie begründete dies mit der prekären Lage an Bord des Schiffes. Angesichts der Notlage an Bord sei die Fünf- bis Sechs-Tage-Fahrt „vollkommen undurchführbar“, teilte Open Arms mit. Die Regierung in Madrid wies am Montag Berichte zurück, wonach das Schiff nun den nähergelegenen Hafen von Mallorca ansteuern könne.

Laut der Nachrichtenagentur AP habe der Kapitän der unter spanischer Flagge fahrenden Open Arms, Marc Reig Creus, unterdessen einen weiteren Vorschlag unterbreitet. Demnach sollen die Migranten auf einem „passenderen“ Schiff untergebracht und dann nach Algericas gefahren werden.

Open Arms lehnte bereits maltesisches Hilfsangebot ab

Bereits vor rund zwei Wochen hatte die Organisation ein Angebot Maltas abgelehnt, das einen Teil der Migranten an Land nehmen wollte. Wie maltesische Medien unter Berufung auf die Regierung meldeten, lehnte Open Arms dies ab, solange nicht auch die anderen Personen aufgenommen würden.

Situation an Bord sei explosiv

Ein Sprecher von Proactiva Open Arms berichtete laut italienischen Medien von katastrophalen Zuständen an Bord. Die Situation sei explosiv, man habe die Flüchtlinge trennen müssen, es habe Tritte und Schläge gegeben. „Worauf sollen wir noch warten, bis jemand stirbt?“ Falls das Schlimmste passiere, seien Europa und der italienische Innenminister schuld.

Wie die Organisation auf Twitter mitteilte, seien einige Migranten ins Wasser gesprungen und hätten versucht, nach Lampedusa zu schwimmen. Sie seien dann wieder zurück aufs Schiff gebracht worden. (ls)

„Open Arms“ nimmt Migranten auf (Archivbild) Foto: picture alliance / AP Photo

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