Billy Six, Gebäude des Geheimdienstes Sebin Fotos: flickr; wikimedia commons / privat
Seit fast zwei Monaten in Haft

Billy Six erhält Besuch von deutschem Botschafter

CARACAS. Der deutsche Journalist Billy Six hat nach fast zwei Monaten Haft in Venezuela Besuch vom deutschen Botschafter erhalten. Während des Besuches habe Six auch mit seinen Eltern telefonieren können, teilten diese mit. Bis zum 2. Februar hat die Militärstaatsanwaltschaft Zeit, gegen ihn Anklage zu erheben. Laut Gesetz besteht dafür eine Frist von 45 Tagen. Die venezolanischen Behörden legen allerdings Wert auf die Feststellung, daß es sich dabei um Werktage handele.

Seinen Hungerstreik, den Six am 22. Dezember ausgesetzt hatte, wolle er erst nach diesem Datum wieder aufnehmen. „Wir haben erfahren, daß es Billy den Umständen entsprechend gut geht. Er bekommt genug zu essen und wird gut behandelt“, berichten die Eltern. Er habe in seiner Einzelzelle im Geheimdienstgefängnis El Helicoide in Caracas ein Bett und eine Toilette. Seit Neuestem habe er auch einen Tisch und einen Stuhl. Vor dem Besuch des Botschafters durfte er zudem zum Friseur.

Ohne Journalistenvisum eingereist?

Auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT versicherte das Auswärtige Amt, daß man sich auch weiterhin intensiv um konsularische Betreuung bemühen werde. Zudem betonte das Ministerium, man habe die venezolanischen Behörden an die völkerrechtliche Verpflichtung erinnert, Zugang zu Six zu erhalten und dafür „auf hoher politischer Ebene demarchiert“.

Die Vereinigung Reporter ohne Grenzen (ROG) hatte sich für Six eingesetzt und fordert seine Freilassung: „Die hanebüchenen Vorwürfe sind ein deutliches Zeichen dafür, daß Billy Six aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit in Haft sitzt“, äußerte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Zudem gibt es keine Grundlage dafür, ihn als Zivilisten vor ein Militärgericht zu stellen. Das ist eine grobe Verletzung der venezolanischen Gesetze und der internationalen Verpflichtungen des Landes.“

Six, der unter anderem für die JF aus Krisengebieten berichtete, ist laut den venezolanischen Behörden ohne Journalistenvisum in das Land eingereist, dann aber dort journalistisch tätig gewesen, berichtet Russia Today. Ihm werden Spionage, Anstiftung zur Rebellion und Übertretung von Sicherheitszonen vorgeworfen. (tb)

Billy Six, Gebäude des Geheimdienstes Sebin Fotos: flickr; wikimedia commons / privat

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