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Novemberausgabe von „Charlie Hebdo“ Foto: charliehebdo.fr
Nach Karikatur

Neue Morddrohungen gegen „Charlie Hebdo“

PARIS. Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo hat die Behörden wegen neuer Morddrohungen eingeschaltet. Verlagsleiter Laurent Sourisseau, der unter dem Namen „Riss“ als Zeichner arbeitet, sagte dem französischen Sender Europe 1, man nehme die Drohungen im Internet ernst und werde Anzeige gegen die Verfasser erstatten.

Hintergrund ist die aktuelle Titelseite der Zeitschrift, die dem Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan gewidmet ist. Der Publizist ägyptischer Herkunft wird derzeit durch die Strafanzeigen zweier Frauen belastet, die ihm Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Körperverletzung und Bedrohung vorwerfen. Ramadan bestreitet die Taten.

„Ich bin die sechste Säule des Islam“

Unter der Überschrift: „Vergewaltigung, die Verteidigung von Tariq Ramadan“ hat Charlie Hebdo Ramadan mit erigiertem Penis gezeichnet. Dazu die Sprechblase: „Ich bin die sechste Säule des Islam.“ Laut Islamgelehrten besteht die Religion aus fünf Säulen.

Ramadan, der in Oxford lehrt, gilt als Vertreter eines konservativen Islam und bezeichnet sich selbst als „Reformsalafist“. Kritiker werfen ihm vor, sich für eine Islamisierung Europas einzusetzen.

Im Januar 2015 hatten zwei islamische Terroristen einen Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verübt, bei dem zwölf Personen getötet wurden. Tariq Ramadan, gegen den zeitweise ein Einreiseverbot in die USA bestand, verurteilte das Attentat, betonte aber, er werde sich nicht den „Je suis Charlie“-Solidaritätsbekundungen anschließen, da die Zeitschrift einen „Humor von Feiglingen“ vertrete. (krk)

Novemberausgabe von „Charlie Hebdo“ Foto: charliehebdo.fr

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