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Trump und Clinton
Trump und Clinton: Wenig Substanz Foto: picture alliance/dpa

TV-Duell in den USA
 

Null zu Null

Wenig Substanz, kein eindeutiger Gewinner. Wer in Deutschland heute Nacht um 3 Uhr für das TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump in der Erwartung aufgestanden ist, einer entscheidende Wendung im US-Präsidentschaftswahlkampf beizuwohnen, wurde enttäuscht.

Weder der entgegen seiner Gewohnheit extrem defensiv auftretende Trump, noch die dauergrinsende Ex-Außenministerin konnte einen entscheidenden Schlag landen. „Unentschieden“, so das Fazit von Fox-News-Analysten Charles Krauthammer. Für Trump wäre das wie ein Sieg. Selten ging ein Kandidat mit einer niedrigeren Erwartungshaltung in ein TV-Duell.

Seine Hauptaufgabe lag darin, die Amerikaner zu überzeugen, daß sie mit ihm keinem unberechenbaren, von seinem Temperament getriebenen Wahnsinnigen die Atomraketen einer Supermacht in die Hand geben. Dies gelang ihm mit Bravour.

Steuererklärungen und 30.000 E-Mails

Ansonsten war das Duell von persönlichen Attacken geprägt, die die Kandidaten so bereits in der Vergangenheit oft hervorgeholt hatten und die wohl nicht einmal die jeweiligen Fans von den Sitzen rissen: Trump sei rassistisch und frauenfeindlich, so Clinton. Dieser konterte, die New Yorker Ex-Senatorin habe nicht das Durchhaltevermögen für den Job des US-Präsidenten. So weit, so einschläfernd.

Die inhaltlichen Höhepunkte des gestrigen Abends in der Hofstra-Universität im New Yorker Stadtteil Long Island sind hingegen schnell erzählt. Trump wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den Vorwurf, er habe – wie Clinton – den Irak-Krieg zunächst befürwortet.

Clinton griff ihren Herausforderer scharf für dessen Weigerung an, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Dieser konterte, er werde die Zahlen publik machen, sobald Clinton die über 30.000 E-Mails präsentiere, die sie vor den Ermittlern des FBI in Sicherheit gebracht habe.

Clintons Umfragewerte sinken

Punkten konnte Trump auch, als er Clinton einen Zick-Zack-Kurs beim Freihandelsabkommen TPP vorwarf. Das „Transpazifische Partnerschaftsabkommen“ stehle weitere amerikanische Jobs, so Trump. Clinton hatte das von Präsident Barack Obama ausgehandelte, aber noch nicht ratifizierte, Abkommen erst befürwortet, war aber unter dem Druck ihres demokratischen Primary-Gegners Bernie Sanders umgeschwenkt.

Keine Frage: Clinton konnte auf der inhaltlichen Ebene überzeugen, ihre akribische wochenlange Vorbereitung hat sich in dieser Hinsicht ausgezahlt. Anders als Trump hatte sie in den vergangenen zwei Wochen einen Wahlkampf auf Sparflamme geführt, um statt dessen Debattensituationen zu simulieren.

Der Druck lag bei ihr. Zumal Clinton in der jüngsten Umfrage amerikaweit nur noch zwei Prozentpunkte vor Trump liegt, der zudem in entscheidenden Swing-States wie Ohio, Iowa und Nevada führt.

Keine Vorentscheidung

Die Erfahrung zeigt aber, daß TV-Debatten in den USA eher auf der atmosphärischen als auf der inhaltlichen Ebene entschieden werden. Nur ein wirklich derber Fauxpas im TV-Duell konnte in der Vergangenheit Präsidentschaftswahlkämpfe entscheidend beeinflussen. Etwa Präsident Gerald Fords Ausführungen im TV-Duell 1976 wonach die Ostblockstaaten unabhängig seien und nicht unter sowjetischer Kontrolle stünden.

Trumps Strategie, sich zurückzunehmen, nicht in allzu harte Attacken gegen Clinton einzusteigen, sich nicht auf inhaltliches Klein-Klein einzulassen, scheint vor diesem Hintergrund gut nachvollziehbar.

Trump schließt die Reihen

Es ist nicht davon auszugehen, daß die vergangene Nacht irgendwelche Weichen im Kampf um das Weiße Haus verstellt hat. Für Clinton könnte ein Unentschieden aber womöglich zu wenig sein. Das Momentum ist derzeit klar auf Trumps Seite, dem es gelungen ist, sich wenige Tage vor der Debatte die Unterstützung seines innerparteilichen Rivalen und Tea-Party-Darling Ted Cruz zu sichern und somit auch die republikanischen Reihen hinter ihm zu schließen.

Die Fortsetzung zwischen Clinton und Trump erwartet die amerikanischen TV-Zuschauer am 9. Oktober, etwa einen Monat vor dem Wahltermin am 8. November, in St. Louis, Missouri. In der Hoffnung, daß dieser Abend dann mehr zu bieten hat als die schwache Veranstaltung im Big Apple.

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