MH17-Absturz

Separatisten übergeben Flugschreiber

DONEZK. Prorussische Separatisten haben die beiden Flugschreiber der über dem Osten der Ukraine abgestürzten Boing 777 an malaysische Ermittler übergeben. Die beiden Geräte seien in einem guten Zustand, sagte ein malaysischer Experte am Dienstagmorgen. Auch durfte ein Zug mit etwa 280 Leichen von Passagieren und Crew-Mitgliedern des Flugzeugs das von den Separatisten kontrollierte Gebiet verlassen und nach Charkow fahren. Die Leichen sollen nun zur Identifizierung in die Niederlande gebracht werden.

Das Passagierflugzeug MH17 der Malaysia-Airlines war am vergangenen Donnerstag von Amsterdam nach Kuala Lumpur gestartet und über dem Donezk-Gebiet abgestürzt. Alle 298 Insassen kamen dabei ums Leben. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Niederländer und auch vier Deutsche.

USA machen Separatisten verantwortlich

Die ukrainische Regierung und die USA machen die Separatisten für die Katastrophe verantwortlich. Sie sollen die Boing 777 mit einer russischen Boden-Luft-Rakete vom Typ „Buk“ abgeschossen haben. Der ukrainische Geheimdienst präsentierte ein angeblich abgehörtes Funkgespräch zwischen einem Separatistenführer und einem russischen Kontaktmann, in dem ersterer berichtet, man habe versehentlich ein ziviles Flugzeug abgeschossen.

Amerika verfügt nach eigenen Angaben zudem über Aufnahmen eines Militärsatteliten, die zeigen sollen, wie eine Boden-Luft-Rakete russischen Typs aus dem von den Separatisten kontrollierten Gebiet auf das Flugzeug abgeschossen wird. Auch hatten die Separatisten kurz nach dem Absturz ein Video im Internet veröffentlicht, auf dem Rauchschwaden eines brennenden Flugzeugwracks zu sehen waren. Dort behaupteten sie, es handle sich um eine von ihnen abgeschossene ukrainische Militärmaschine. Nachdem bekannt wurde, daß ein malaysisches Passagierflugzeug abgestürzt war, entfernten die Separatisten das Video aus dem Internet.

Die prorussischen Milizen wiesen die Anschuldigungen jedoch zurück und beschuldigten die ukrainische Regierung, für den Absturz verantwortlich zu sein. Nur die ukrainische Armee verfüge über die Waffen, um ein Flugzeug in zehn Kilometern Höhe abzuschießen und auch nur die ukrainische Regierung habe ein Motiv für eine solche Tat.

Russische Armee: Ukranischer Kampfjet näherte sich der Boing 777

Die russische Armee veröffentliche am Montag Flugrouten und Radardaten aus dem entsprechenden Gebiet zur Zeit des Absturzes. Danach hätte sich kurz vor dem Unglück ein ukrainischer Kampfjet SU-25 bis auf drei Kilometer der Maschine genähert, berichtete der Chef der Operativen Hauptabteilung beim Generalstab der russischen Streitkräfte, Andrej Kartapolow, auf einer Pressekonferenz. „Kiew sollte erklären, mit welchem Zweck die Su-25 der ukrainischen Luftwaffe die für Zivilmaschinen bestimmte Trasse genutzt hatte“, forderte Kartapolow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti.

Die Su habe sich drei bis fünf Kilometer von der Boeing entfernt befunden und hätte mit ihren Raketen die Passagiermaschine ganz sicher treffen können. Auch habe laut russischer Radardaten ein amerikanischer Satellit zur Ortung von Raketenstarts die Ostukraine zum Zeitpunkt des Absturzes überflogen. „Falls die USA entsprechende Bilder haben, würden wir sie bitten, das Material der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, sagte Kartapolow. (krk)

Journalisten fotografieren die beiden Flugschreiber der MH17 während einer Pressekonferenz in Donezk Foto: picture alliance/dap

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