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Proteste gegen Homo-Ehe
 

Wieder Millionen in Paris

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Massendemonstration gegen die Homo-Ehe im März in Paris mit über einer Million Teilnehmern Foto: Facebook

Zum dritten Mal innerhalb von fünf Monaten gehen die Franzosen am Sonntag in Paris zu hunderttausenden auf die Straße, um gegen das Gesellschaftsmodell der sozialistischen Regierung Hollande zu protestieren. Am 13. Januar waren es rund achthunderttausend, am 24. März schon mindestens anderthalb Millionen und am 26. Mai, dem französischen Muttertag, werden es nach seriösen Schätzungen mehr als zwei Millionen sein.

Das läßt sich aus den Reservierungen ganzer Züge und Kolonnen von Bussen in der Provinz ablesen. Hinzu kommt ein wachsender Mobilisierungsgrad in der Metropole-Region Paris selbst. Die Bewegung „Manif pour tous“ (Demo für alle) hat längst nationale Ausmaße erreicht.

Ursprünglich richtete sich die Bewegung gegen das Gesetz „Marriage pour tous – Ehe für alle“ zur Einführung der Homo-„Ehe“ einschließlich des vollen Adoptionsrechts. Das Gesetz wurde in der ersten Maihälfte von Senat, Parlament und Verfassungsrat verabschiedet und von Präsident Hollande unterschrieben. Es ist somit in Kraft.

Die Regierung provoziert die Massen

Aber die Bewegung hat, auch weil die Regierung in keinster Weise auf ihre Forderungen (Referendum, breiter nationaler Dialog, Aussetzung einiger Teile) einging, eine Eigendynamik entwickelt, die sich in der allgemeinen Krisenatmosphäre zu einer explosiven Gesamtstimmung gegen die Linksregierung mischt. Hinzu kommt, daß die Regierung plant, Euthanasie-Gesetze einzubringen und die Transferleistungen für die Familien zu kürzen. Vermutlich will sie damit auch von der wirtschaftlichen Misere ablenken. Aber damit provoziert sie die Massen umso mehr.

Der Wutpegel steigt. Die „phosphorne Fläche“ der französischen Leidenschaft, von der schon Stefan Zweig in den dreißiger Jahren schrieb, könnte leicht entflammen. Niemand weiß, wie die Demonstration am Sonntag verlaufen wird. Sicher ist, daß der Volkszorn wächst und eine gewisse Radikalisierung zu beobachten ist.

In diesem Kontext ist auch der spektakuläre Selbstmord des Rechtsintellektuellen Dominic Venner am Altar in der Kathedrale Notre Dame de Paris zu sehen. Etwa 1.500 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt an dem für Frankreich so hochsymbolischen Ort. Es war zwar wie jeder Selbstmord eine Verzweiflungstat, aber auch ein letztes Aufbäumen, um, wie er selber in einem Abschiedsbrief schreibt, „die Lähmung zu durchbrechen, die uns erdrückt“.

Selbstmord wirft Schatten auf Demonstration

Er opfere den Rest seines Lebens „als Protest und Aufruf zu einem Neubeginn“, um das „eingeschläferte Bewußtsein der Menschen wach zu rütteln“. Der Zeitpunkt des dramatischen Selbstmords und der Ort zeigen schon den Zusammenhang mit der Eigendynamik der Bewegung. Vollends klar wird das durch die Begründung, die der Schriftsteller seiner Tat gibt: „Ich lehne mich auf gegen die Fatalität dieses Seins. Ich lehne mich auf gegen das Gift in den Seelen und gegen die überhand nehmenden selbstischen Sehnsüchte, die die Verankerungen unserer Identität losreißen und vor allem die Familie, Grundlage unserer jahrtausendealten Zivilisation, zerstören.“

Diese Tat wirft einen Schatten auf die Demonstration. Es wird schwierig sein, den heiteren und gelassenen Charakter der Vorgängerdemonstrationen zu wahren. Auch außerhalb der Bewegung radikalisiert sich die Stimmung. Die Galionsfigur der Bewegung, Frigide Barjot, hat Todesdrohungen bekommen und zögert, an der Demonstration teilzunehmen. Innenminister Manuel Valls hat ihr besonderen Schutz zugesichert.

Es geht das Gerücht, daß die Drohungen von ihm veranlaßt wurden, um sich als Hüter der Ordnung und Schützer der Bewegung zu profilieren. Denn gerade sein Image als Garant für Ruhe und Ordnung hat in letzter Zeit tiefe Risse bekommen, weil er zu einzelnen Aktionen der „Manif pour tous“ doppelt so viele Polizisten abkommandierte wie für die Einrahmung eines Fanblocks, der mitten in Paris nach einem Fußballspiel vor zehn Tagen randalierte und plünderte. Das schwache Polizeiaufgebot war völlig überfordert.

Die Entschlossenheit ist auf beiden Seiten spürbar

Landesweit bekannt ist, daß Valls und der von ihm eingesetzte Präfekt von Paris auch falsche Teilnehmerzahlen der letzten Demonstrationen trotz beweisträchtiger Luftaufnahmen veröffentlichten.

Die französische Kirche steht wie bei den vorangegangenen Demonstrationen an der Seite der Bewegung. Schon im April hatte der Kardinal von Paris vor Ausschreitungen gewarnt und auch jetzt wirkt die Präsenz von Priestern und Bischöfen beruhigend.

Sie stehen sozusagen für den Kampf der Volksbewegung für Familie und Ehe als Grundlage der Gesellschaft und gegen die totalitäre Versuchung der Linksparteien, Frankreich ein völlig anderes Gesellschaftsmodell aufzuzwingen. Auf beiden Seiten ist diese definitive Entschlossenheit spürbar und deshalb wird die Bewegung auch über den Sonntag hinaus weiter tragen und sich politisch bei Wahlen manifestieren. 

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