Punktsieg für den Aktenfresser

In Deutschland wird ein politisches Theaterstück gespielt, welches trotz – oder gerade wegen – seines Stumpfsinns in endloser Repetition auf die Bühne gelangt. Am Anfang steht ein Ereignis, welches die Folgen der muslimischen Masseneinwanderung in einem Maße zeigt, das sich nicht weiter ignorieren läßt. In diesem Augenblick betreten Integrationsbeauftragte, Einwanderer-Lobbyisten und andere Profiteure die Bühne. Sie setzen sich die Maske des hinterfragenden Intellektuellen auf, sagen nichtssagende Zahlen und Statistiken in die Mikrophone und reden im warnenden Gemurmel von „Volksverhetzung“ und „Rassismus“. Im letzten Akt herrscht dann die Hoffnung vor, daß bald wieder Ruhe einkehrt.

Die jüngste Posse um den SPD-Bundesbanker Thilo Sarrazin ist eine interessante Variation dieses Stückes. Denn selbst in seiner Zeit als beinharter Sanierer des Berliner Haushalts haben Gegner nur selten die Kompetenz des als „Aktenfressers“ bekannten Ex-Finanzsenators in Frage gestellt. Wenn Sarazzin daher ein Interview veröffentlicht – übrigens gegen des ausdrückliche Willen von Bundesbank-Chef  Axel Weber, wie der Spiegel berichtet –, dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, daß seine Aussagen fundiert sind.

Entsprechend dürftig nimmt sich die „Widerlegung“ der angeführten Fakten aus. „Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist.“ Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ulrich Thöne, möchte dies gegenüber der Bild anders sehen. „Das ist kein außergewöhnliches Problem nur für türkische Jungen“ und schon gar kein „kulturelles Problem“. Dabei wird im Artikel aus einer Studie zitiert, die osteuropäischen Einwanderern im Gegensatz zu Türken gute Noten gibt und damit eben genau dies bestätigt.

Einem „Wahrheitstest“ unterzieht man im Tagesspiegel die Aussage „von den zwanzig Tonnen Hammelresten der türkischen Grillfeste, die die Stadtreinigung jeden Montagmorgen aus dem Tiergarten beseitigt – das ist keine Satire“. „Quatsch“, darf der zuständige Stadtrat Ephraim Gothe sagen. Peinlich nur, daß Sarrazin im Interview die Quelle angibt. Es ist eine lesenswerte Reportage der Zeit vom August, in der es wörtlich heißt: „15 bis 20 Tonnen Abfall bleiben hier nach einem schönen Wochenende zurück.“ Auch Gothe wurde übrigens in der Reportage zum Problem befragt – er machte damals nicht gerade eine gute Figur.

„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ Verschämt erklärte die Sprecherin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Maya Zehden, im „Wahrheitstest“: „Dazu gibt es keine uns bekannte Untersuchung.“ Sicher kann man von ihr nicht verlangen, Untersuchungen der vergleichenden Ethnologie zu kennen, die bei unterschiedlichen Völkern deutlich abweichende Intelligenzleistungen messen und bei denen ethnische Juden meistens weit vorne liegen. Aber die Jüdische Allgemeine sollte sie schon kennen, hat sie doch in der Ausgabe 24/05 ebendies zum Thema gemacht.

Aufschlußreich sind die Daten über die Beschäftigungsquote der in Berlin lebenden Türken, die der Spiegel zusammengetragen hat. Demnach haben 75,3 Prozent der türkischstämmigen Berliner keinen Schulabschluß (Deutsche: 15,2). Und während lediglich 21,6 eine Lehre oder eine ähnliche Ausbildung absolviert haben, sind es bei den Deutschen 59,6 Prozent. Auch ein Blick auf die Haupteinkommensquellen der Hauptstädter ist erhellend. Während 33,9 Prozent der Türken in Berlin Arbeitslosengeld I oder II beziehen sind es bei den Deutschen 11,6 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Sozialhilfe aus (Türken: 5,1 Prozent; Deutsche 1,0 Prozent).

Weiterhin im Raum steht Sarrazins Behauptung, Deutschland solle erobert werden. Persönliche Gespräche mit türkischen Politikern gab der Ex-Senator als Quelle für seine Einschätzung an. Interessanterweise haben bisher wenige diese Aussage angegriffen. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland bereits mehr Menschen, als man glaubt, denen beim Streit auf dem Spielplatz, nach einem Verkehrsunfall oder auf dem Heimweg ins Gesicht gesagt wurde, daß sie einem sterbenden Volk angehören und sich besser schon heute an die künftigen Mehrheitsverhältnisse in Deutschland gewöhnen sollten.

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