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Ein Koran für den Papst

Das Programm von Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag in Köln war äußerst dicht: ein regelrechter Marathon aus Feiern, Gebeten, und Gesprächen, die den 78jährigen vier Tage in Atem hielten. Am Samstagabend hatte Benedikt XVI. einen Termin der besonderen Art: eine kurze Audienz für zehn Funktionäre von in Deutschland ansässigen islamischen Organisationen. Darunter befand sich auch Nadeem Elyas, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). Im Vorfeld des Weltjugendtages hatte der vom türkischen Religionsministerium gesteuerte Ditib-Verband den Papst zu einem Besuch seiner Kölner Zentrale bewegen wollen. „Aus Zeitgründen“ lehnte Benedikt XVI. dies ab. Beobachter sahen darin das Bemühen des Papstes, Distanz zu Vereinnahmungsversuchen der türkischen Regierung zu wahren, deren EU-Ambitionen er skeptisch gegenübersteht. Rafet Öztürk, der „Dialogbeauftragte“ von Ditib, hätte auch ein gemeinsames Gebet des Papstes mit Muslimen gern gesehen. Große „symbolische Kraft“ hätte dies gehabt und ihm „viel Freude bereitet“, sagte Öztürk. Aber auch hier blockten die Diplomaten des Vatikan ab. Anders als Papst Johannes Paul II., der 2001 in Damaskus den Koran küßte, hält sein Nachfolger wenig von interreligiösem Mischmasch. So blieb es in Köln bei einer Audienz, die im Erzbischöflichen Palais stattfand. Teilnehmer waren sieben Vertreter von Ditib sowie der ZMD-Vorsitzende Elyas und zwei weitere Muslime. Insgesamt dreißig Minuten waren für ein kurzes Kennenlernen eingeplant. Nach einem auf türkisch gehaltenen Grußwort des Ditib-Vorsitzenden Ridvan Cakir hielt Benedikt XI. eine Rede, die Kommentatoren als „engagiert“ bezeichneten. Der Papst rief dazu auf, „Haßgefühle aus den Herzen auszurotten“ und gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen. Die Kirche wolle den Weg der Versöhnung suchen, doch jeder müsse „die Identität des anderen respektieren“. Cakir hatte zuvor behauptet, nach dem „gnadenreichen Koran“ dürfe „niemand wegen seiner Religionszugehörigkeit verachtet und gezwungen werden, seinen Glauben aufzugeben“. Eine Auslegung des Korans, die nicht von allen geteilt wird. Ein besonderes Präsent für den Papst, ein Prachtexemplar des Korans mit deutschen Erläuterungen, überreichte Elyas. Noch vor der Audienz hatte er laut einem verbreiteten Redetext ein „Schuldbekenntnis“ der katholischen Kirche gegenüber den Muslimen gefordert, ähnlich dem gegenüber den Juden. Bei einer anschließenden Pressekonferenz betonten der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und die Ditib-Vertreter Gemeinsamkeiten der „abrahamitischen Religionen“. Ein Sprecher von Ditib sagte, auch Muslime würden ihre Kinder „nach dem Propheten Jesus“ nennen. Lehmann sprach davon, die Audienz habe in einer „sehr verständnisvollen Atmosphäre“ stattgefunden. Es war eine durchaus heikle Frage, welche islamischen Funktionäre dem Papst in Köln die Hand schütteln durften. Nicht eingeladen worden war Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik. Seine Organisation gilt als direkt von der islamistischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) beherrscht. Aber auch Elyas ‚ Zentralrat ist nicht unumstritten. Dem gebürtigen Saudi wird eine Mitgliedschaft bei der extremistischen Muslimbruderschaft nachgesagt. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes stehen neun der unter dem Dach des ZMD zusammengefaßten Vereine der Muslimbruderschaft nahe, die als ideologisches Bindeglied des radikalen Islamismus weltweit gilt. Die Angaben schwanken, wie viele der etwa 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime die einzelnen Verbände repräsentieren. Nicht einmal ein Zehntel ist in einem Verband organisiert. Ditib behauptet, für mehr als 220.000 Muslime, vor allem Türken, zu sprechen – realistischer ist wohl eine deutlich niedrigere Zahl. Der Islamrat hat nach Schätzungen an die 140.000 Anhänger, worunter allein 26.000 Milli-Görüs-Leute sind. Schließlich ist da der 1994 gegründete und mit arabischem Geld finanzierte ZMD, der an die 20.000 Mitglieder haben will. Er repräsentiert damit eine verschwindend kleine Minderheit der hiesigen Muslime. Elyas gilt Kennern der islamistischen Szene als Wolf im Schafspelz. Der Mann mit dem schwarzen Vollbart hält seifige Reden über den Dialog, Kritiker glauben aber, sein Ziel sei die Islamisierung Deutschlands. Ein klares Bekenntnis zur Rechtsordnung des Grundgesetzes relativiert er mit Hinweisen auf die Scharia, das islamische Recht. Selbst drakonische Strafen wie das Steinigen von ehebrechenden Frauen möchte Elyas nicht verurteilen. Rätselhafterweise ist er dennoch der Liebling vieler Medien und als Ansprechpartner auch der Spitzen der Politik sehr gefragt. Sowohl Ditib als auch der Zentralrat als auch der Islamrat bemühen sich, als alleinige Vertretung aller in Deutschland lebenden Muslime anerkannt zu werden. Sie hoffen auf den Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts. Damit verbunden wären finanzielle Vergünstigungen sowie politische Einflußmöglichkeiten, etwa über die Rundfunkräte. Im Februar vereinbarten der Islamrat und der Zentralrat, eine Plattform für eine künftige Kooperation zu schaffen. Ditib scheint aber die Nase im Wettlauf um die staatliche Anerkennung vorn zu haben. Im vergangenen November trommelte der von Ankara gelenkte Verband zu einer großen Demonstration unter dem Motto „Islam heißt Friede“. Die Audienz beim Papst kann Ditib nun als nächsten Erfolg auf ihrem Konto verbuchen. Foto: Nadeem Elyas (l.) und Benedikt XVI. im Erzbischöflichen Palais in Köln: Schuldbekenntnis gefordert

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