„Verliebt in Berlin“

Ein neues Fernsehformat faßt nun auch bei uns Fuß: die Telenovela. Diese täglichen Ergüsse, die über uns kommen, sind auf einem Niveau, das sogar die „Teletubbies“ als Intelligenzfernsehen erscheinen lassen. Die südamerikanischen Telenovelas verlaufen immer nach demselben Muster: Ein armes Mädchen aus den Slums verschlägt es zu einem reichen Großgrundbesitzer. Die Reichen und Schönen intrigieren fleißig, bis das unschuldige Mädchen am Schluß in die Familie einheiratet. Warum schauen sich Menschen so etwas an? Mit einem solchen Format beglückt uns jetzt auch Sat.1. „Verliebt in Berlin“ heißt die deutsche Telenovela. Dabei gibt sich Sat.1 alle Mühe. Bei den südamerikanischen Originalen kommt das arme Mädchen aus den Slums von Rio de Janeiro, in der deutschen Version aus Göberitz in Brandenburg. Und der umschwärmte Mann ist eben kein südamerikanischer Rinderhändler, sondern Chef eines Modeunternehmens. Die Hauptdarstellerin Lisa Plenske trägt eine Brille wie Didi Hallervorden und ist dem Mimen auch sonst ziemlich ähnlich. Das Ende ist jetzt schon klar. Nach unzähligen Sendungen wird sie ihren Traumtypen abkriegen und auch wie ein Model aussehen. Die Frage ist nun: Warum schauen sich Menschen so etwas an? In Brasilien, wo täglich 20 Telenovelas mit großem Erfolg über den Bildschirm flimmern, haben gewiefte Soziologen festgestellt, wollen die Zuschauer der Hoffnungslosigkeit und Tristesse des Alltags entfliehen. Den Spitzenquoten zufolge scheint es bei uns jetzt auch nicht mehr viel besser zu sein.

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