GeStaPo

Ende Juli bewies die US-Navy, daß deren „Kreativität“ bei Namensvergabe für Serversysteme nur noch durch ihr mangelndes Fingerspitzengefühl übertrumpft werden konnte. Sie betreibt nämlich in New Orleans einen Server mit dem makabren Namen „Gestapo“. Dieser Computer des Commander Naval Reserve Recruiting Command (CNRRC) mit der exakten Bezeichnung gestapo.cnrrc.nola.navy.mil hat zu allem Überfluß eigenmächtig verschiedene Webseiten angewählt, darunter eine Homepage muslimischer Journalisten, die danach angeblich einer endlosen Lawine von Virenattacken und Spam-Nachrichten ausgesetzt waren. Der Rechner ist seit etwa sechs Jahren aktiv, sollte jedoch nie in öffentlichen Netzen agieren. „Es war sicherlich nicht die klügste Entscheidung“, kommentierte ein Sprecher der Navy den Vorgang lapidar. Daß jener Sprecher ausgerechnet Bill Clinton heißt, wäre dabei alleine schon eine Schlagzeile wert. Der Proxy-Server dient nach Angaben der CNRRC einem Hackerschutzprogramm, das eine Datenbank zur Verwaltung von Rekruten absichert, und wird explizit nicht zum Ausspionieren von Daten eingesetzt. Die Navy plant nun, das System bis Ende August umzutaufen, kann es allerdings noch nicht ausschalten. Welchem Techniker man den Namen zu verdanken hat, ist derzeit auch noch unklar. In Internetforen dagegen wird spekuliert, ob diese Entgleisung eher dem desolaten US-Bildungssystem oder den rüden Verhörmethoden auf Guantánamo Bay entspringt. Jedenfalls bleibt zu hoffen, daß der neue Name des Computersystems nicht ausgerechnet „Stasi“ lauten wird, empathiert Euer EROL STERN

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