Langen Müller Josef Kraus Der deutsche Untertan

 

Bravo, Wolfgang

Es gibt mal wieder was aus der Wirtschaft zu berichten: Karstadt ist fast pleite! Fast jeder von uns hat sein Karstadt um die Ecke, viele werden jetzt dichtgemacht. Und die Medien berichten täglich, als stünde der Untergang des Abendlandes vor der Tür. Der Spiegel über Karstadt: „Alles muß raus“. Selbst die Nachricht, daß Anke Engelke aufgibt, geht im Karstadt-Wirbel fast unter. Ein ganz andere Meldung aus der Welt hat dagegen kaum jemanden in Rage versetzt: „FAG Kugelfischer verlagert mehr als 1.000 Arbeitsplätze nach Osteuropa“. Der Zusammenhang ist klar: Woher soll das Geld kommen, das die Deutschen in Karstadt-Kaufhäusern ausgeben? Wer soll noch aus dem Otto-Katalog bestellen, wenn er die nächste Miete gerade so bezahlen kann? Der Ein-Euro-Jobber wohl kaum. Auf der anderen Seite haben wir ein unfähiges Management, das den Niedergang mitverursacht hat. Aber von den Herren in der Konzernspitze bei Karstadt muß sich keiner um die eigene Zukunft und künftige Einkaufsbummel Sorgen machen. Der letzte Karstadt-Chef erhielt 1,8 Millionen Euro als Abfindung – das 115fache Jahresgehalt einer Karstadt-Verkäuferin. Toll ist, wie die Politik ihr eigenes Scheitern in den Medien analysiert: „Ludwig Erhard sorgte dafür, daß sich nach dem Krieg die Schaufenster wieder mit Waren füllten. Meine heutige Aufgabe ist es, daß sie wieder leer werden“, so kommentierte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement in der Welt kürzlich. Und siehe da: Es ist ihm gelungen – die Schaufenster sind leer.

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