Verbalakrobatik

Ein Paradebeispiel dafür, daß deutsche Opfer, die ausnahmsweise mal nicht Hitler auf dem Gewissen hat, nicht in das aufgeklärte Geschichtsbild dieser toleranten Republik passen, war vorvergangenen Sonntag die Sendung "Wortwechsel" im Süddeutschen Rundfunk. Die sehr detaillierten Schilderungen von Jörg Friedrich in seinem Buch "Der Brand" über die Bombardierung deutscher Städte und Zivilisten paßten der Journalistin Gabriele von Arnim ganz offensichtlich überhaupt nicht. Sie versuchte daher zunächst, ihm indirekt irgendeine Form des Aufrechnens zu unterstellen. Als das nichts half, ging es um den Gebrauch von Begriffen, die offenbar nur für von Deutschen begangene Verbrechen Verwendung finden dürfen: Friedrich benutzte Bezeichnungen wie Krematorium, Vernichtung oder Massaker in bezug auf das Flammeninferno, die Frau von Arnim überhaupt nicht akzeptabel und "problematisch" fand. Und daß er sein Buch in keinen historischen Kontext gestellt (sie meinte wohl damit die deutsche "Alleinschuld" an zwei Weltkriegen) und Auschwitz nicht erwähnt habe, sei ein nicht entschuldbares Versäumnis. Außerdem wurde Friedrich vorgehalten, er bekomme nun womöglich Beifall "von der falschen Seite". Als noch nicht völlig verblödeter Zuschauer im "Land der Mörder"(Paul Spiegel) mochte man kaum glauben, daß hier in nur einer halben Stunde das volle Programm an linker Verbalakrobatik dargeboten wurde, um das eigene unfehlbare Geschichtsbild gegen jedwedes Infragestellen zu verteidigen. Sagenhaft!

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