Sex sells

Das ARD-Morgenmagazin hatte sich den Welt-AIDS-Tag zum Thema gemacht. Redakteure verteilen Kondome und rote Schleifen. Ein Gesundheitsberater spricht in bestem DDR-Deutsch davon, wie diese Dinge am 1. Dezember in „der ganzen Republik verteilt“ würden. Einer der Macher der ARD-Seifenoper „Lindenstraße“ berichtet, das Thema würde tabuisiert. Ist uns noch nie aufgefallen. Wir haben nur davon gehört, daß im südlichen Afrika wirre Thesen über die Krankheit die Runde machen. Wer aber bitte tabuisiert hierzulande AIDS? Und noch mal hält ein lächelnder Moderator ein Kondom in die Kamera, als ob er auf irgend etwas warten würde. Das ist alles albern. Besser wäre es, das Fernsehen würde sich Gedanken darüber machen, wie es in Zukunft dafür sorgt, daß die Menschen verantwortungsbewußt mit Sexualität umgehen. Statt dessen wird allerorts der möglichst spontane und freizügige Umgang damit gepredigt. Nicht, daß wir jemandem den Spaß verderben möchten. Aber der zunehmende Erfolg von Büchern und Filmen wie „Harry Potter“, „Herr der Ringe“ oder „Krieg der Sterne“ unter Erwachsenen zeigt doch, daß immer mehr Menschen sich sexfreie Zonen wünschen. Überall wird man penetrant und permanent mit Sex konfrontiert. Kaum eine Vorabendserie kommt ohne die Darstellung von Geschlechtsverkehr aus. Es nervt manchmal wirklich. „Sex sells“, heißt es in der Werbeindustrie. Kein Sex verkauft sich aber auch ganz gut. Wir wünschen uns zu Weihnachten eine „Krieg der Sterne DVD“ statt einer roten Schleife!

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