Joachim Kuhs
Kameras und Mikrofone
Kameras und Mikrofone verschiedener Medien (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa

Politische Schlagseite
 

Kommunikationswissenschaftler: „Deutliche Mehrzahl der Journalisten ist links“

LEIPZIG. Der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann hat dem deutschen Journalismus eine linke Schlagseite attestiert. „Eine deutliche Mehrzahl der Journalisten ist links der Mitte positioniert“, sagte Hofmann der Neuen Zürcher Zeitung. Eine von ihm verantwortete Analyse habe ergeben, daß das Journalistenherz in Deutschland mehrheitlich links schlage.

Allerdings müsse man bei der Bewertung auch zwischen der politischen Haltung von Journalisten, ihren Texten und Beiträgen sowie der Art und Weise, wie diese aufgenommen würden, differenzieren. Was die Haltung sowie die Wahrnehmung angehe, sei die Datenlage eindeutig.

Die klare Mehrheit der Journalisten verorte sich links der politischen Mitte, „und beim Publikum wird diese Haltung durch eine entsprechende asymmetrische Unzufriedenheit gespiegelt. Das heißt, auf der politischen Rechten ist die Unzufriedenheit mit dem massenmedialen Angebot deutlich grösser als links der Mitte“, erläuterte Hoffmann.

Auch ökonomische Gründe

Beim Output, also den journalistischen Produkten, sei die Datenlage hingegen nicht so eindeutig. Hier gebe es auch Analysen, die zum Ergebnis kämen, daß eine linke Schlagseite nicht feststellbar sei. Diese würden dann von denjenigen ins Feld geführt, die versuchten, die gesamte Diskussion um die politische Einstellung von Journalisten als Scheindebatte abzutun. Deren Argumentation laute, die politische Haltung von Journalisten sei nebensächlich, da sie sich auf ihre Arbeit nicht auswirke.

Er selbst komme jedoch zu dem Ergebnis, daß es genügend Hinweise darauf und Belege dafür gebe, daß sich das linke Übergewicht unter deutschen Journalisten auch in ihrem Schaffen wiederfinde, erläuterte Hoffmann.

Laut dem Kommunikationswissenschaftler gibt es mehrere Erklärungen dafür, warum Journalisten politisch eher links eingestellt sind. „Ein zentraler Faktor ist sicher die Akademisierung des Berufsfelds. Akademiker stehen mehrheitlich links der gesellschaftlichen Mitte. Ein weiterer Faktor ist die ökonomische Krise des Journalismus. Für Konservative und Liberale sind materielle Motive bei der Berufswahl wichtiger als für Linke.“ Hinzu komme, daß „Kritik an Mächtigen“ als journalistische Berufsnorm eher zu einer linken Einstellung passe.

Debatte um öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Hoffmann äußerte zudem Verständnis für die Kritik von Liberalen und Konservativen am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese sei nachvollziehbar. „Ein von allen gemeinsam finanziertes Medienangebot sollte die ganze Breite politischer Ansichten repräsentieren. Und wenn man sich eine Befragung wie die der ARD-Volontäre anschaut, dann stehen die Anstalten vor einer doppelten Herausforderung: Es gibt es den Anspruch des Publikums auf eine ausgewogene Berichterstattung, und es gibt Journalisten, die selbst noch einmal links der ohnehin eher linken journalistischen Mitte stehen.“

Er glaube auch, daß der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk in dieser Frage dem europäischen Ausland hinterherhinke. In Skandinavien oder in Großbritannien werde beispielsweise intensiv darüber nachgedacht, wie man konservative und liberale Positionen in den Programmen berücksichtigen könne. „Diese Debatte findet bei uns bis jetzt nicht statt“, kritisierte Hoffmann. (krk)

Kameras und Mikrofone verschiedener Medien (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa
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