In der Netflix-Serie "Hellbound" spielt eine Sekte mit der Höllenangst der Menschen Foto: picture alliance / Everett Collection | ©Netflix/Courtesy Everett Collection
In der Netflix-Serie „Hellbound“ spielt eine Sekte mit der Höllenangst der Menschen Foto: picture alliance / Everett Collection | ©Netflix/Courtesy Everett Collection

Netflix-Serie „Hellbound“
 

Umkehr oder Höllenfahrt

Die südkoreanische Serie „Squid Game“ ist nicht mehr die erfolgreichste Serie auf Netflix. Nach 46 Tagen hat sie die ebenfalls aus Südkorea kommende Produktion „Hellbound“ vom Thron gestoßen. Doch das Herkunftsland ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Auch der Grad an Brutalität spielt eine wichtige Rolle; doch sind es dieses Mal nicht Menschen, die anderen Menschen Leid zufügen – zumindest nicht zu Beginn.

„Hellbound“ stellt eine Welt dar, in der die Menschheit sich in permanenter Angst befindet, in der Hölle zu landen. In der ersten Folge sieht der Betrachter das alltägliche Getümmel in einem koreanischen Café. Mitten unter den Gästen befindet sich ein sehr nervöser Mann, der zitternd auf sein Handy starrt. Als die Uhr 13:20 schlägt, ist seine Stunde gekommen.

Ein lauter Lärm ertönt und aus dem Nichts erscheinen drei furchteinflößende Kreaturen, die es auf ihn abgesehen haben. Er versucht zu fliehen, und im Verkehrschaos von Seoul seine Verfolger abzuschütteln. Vergeblich, denn diese erreichen ihn mühelos, um ihn in Stücke zu reißen, bevor sie ihn bis zur Unkenntlichkeit verbrennen, bis nur noch das verkohlte Skelett zurückbleibt. Danach verschwinden sie durch ein Portal dahin, woher sie gekommen sind.

Eine Endzeitsekte ruft zur Umkehr auf

Was in den ersten Minuten gezeigt wird, ist ein übernatürliches Phänomen unbekannten Ursprungs, das über die Menschheit gekommen ist. Es läuft immer nach demselben Schema ab: Zuerst überbringt ein sogenannter Todesengel in Form eines riesigen Gesichts dem Sünder das Datum und die genaue Uhrzeit seines Todes mit der abschließenden Nachricht, daß er zur Hölle fahren wird und es kein Entrinnen gibt. Welcher Sünde sich diejenigen schuldig gemacht haben, erfährt der Zuschauer nicht.

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Seit über zehn Jahren häufen sich diese Morde auf der ganzen Welt. Doch weder die koreanische Polizei noch sonst jemand hat eine Antwort darauf.

In der Situation tritt die Endzeitsekte „Neue Wahrheit“ mit dem charismatischen Guru Jung Jin-su (Yoo Ah-in) auf den Plan. Der sieht in den Todesnachrichten, die er „Machtdemonstrationen“ nennt, eine gerechte Strafe für begangene Sünden und fordert die Menschheit zur Umkehr auf. Anfangs werden weder er noch seine Sekte ernst genommen. Doch nachdem eine „Machtdemonstration“ ganz zeitgemäß live im Fernsehen und im Internet gestreamt wird, ist der Weg der „Neuen Wahrheit“ zu einem ernsthaften Faktor in der Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten.

Das Ansehen der Sekte gerät ins Wanken

Mutmaßliche Sünder werden öffentlich schikaniert und ihre Familien gleich mit in Sippenhaft genommen. Wer sich den hehren Zielen der „Neue Wahrheit“ in den Weg stellt – nämlich eine Welt, in der die Menschheit in ständiger Gottesfurcht lebt –, dem droht Verfolgung und Exekution. Anders als das Christentum, kennt die Sekte weder Vergebung der Sünden noch Gnade. Wer in ihr Visier gerät, wird unbarmherzig aus dem Weg geräumt.

Doch nachdem immer willkürlicher Sünder in den Genuß einer „Machtdemonstration“ kommen, gerät das Ansehen der Sekte ins Wanken. Plötzlich sind auch strenggläubige und sogar Kinder unter den Opfern. Als der Sektenführer Jung Jin-su von der Bildfläche verschwindet und ein Neugeborenes zur Hölle fahren soll, scheint die letzte Stunde der Sekte geschlagen zu haben.

Überraschendes Ende macht Lust auf mehr

Der Polizist Jin Kyung-hoon (Yang Ik-june) und die Anwältin Min Hye-jin (Kim Hyun-joo) mißtrauen der Sekte von Anfang an und stellen sich ihr in den Weg. Kyungs Frau wurde vor Jahren brutal ermordet, doch der Mörder wurde nie verurteilt. Eigentlich Grund genug für ihn, selbst auf eine höhere Justiz zu hoffen.

„Hellbound“ paart Brutalität mit Gesellschaftskritik, wie es zuvor schon „Squid Game“ getan hat; fügt jedoch eine übernatürliche Komponente hinzu. Der Erfolg gibt dem Serienmacher Sang-ho Yeon recht, der in seinen Werken „Train to Busan“ (2016) und „Peninsula“ die Auswirkungen einer Zombie-Pandemie auf die Gesellschaft thematisierte.

Leider nutzen sich die „Machtdemonstrationen“ schnell ab und fesseln in der zweiten Hälfte der Serie nicht mehr besonders. Trotzdem macht der überraschende und gelungene Ausgang der ersten Staffel Lust auf eine zweite. Diese ist noch nicht offiziell angekündigt worden, doch scheint dies nur eine Frage der Zeit zu sein.

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„Hellbound“ läuft derzeit in sechs Folgen auf Netflix. 

In der Netflix-Serie „Hellbound“ spielt eine Sekte mit der Höllenangst der Menschen Foto: picture alliance / Everett Collection | ©Netflix/Courtesy Everett Collection
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