In der ZDF-Serie "Furia" rüsten Rechtsextreme zum Umsturz - dabei verschmelzen die Serienmacher Fiktion und Realität Foto: World of Trailers / Screenshot YouTube
In der ZDF-Serie „Furia“ rüsten Rechtsextreme zum Umsturz – dabei verschmelzen die Serienmacher Fiktion und Realität Foto: World of Trailers / Screenshot YouTube

Neue ZDF-Serie
 

„Furia“: Verschwörungstheorien gegen Rechts

Eines wird man den Machern der neuen, seit Sonntag im ZDF laufenden Serie „Furia“ jedenfalls nicht absprechen können: Daß sie nahezu alle Klischees und Narrative über die „rechte Gefahr“, wie sie seit Jahren von Medien und Politik verbreitet werden, gut verinnerlicht haben. Allerdings natürlich nicht, um sie kritisch zu hinterfragen, sondern um sie einmal mehr zu reproduzieren.

Da ist zum Beispiel der alte weiße Mann aus – kein Scherz! – Ostdeutschland, der früher – auch kein Scherz! – im KSK war und nun an der an der Spitze einer rechten Terrorzelle agiert (Ulrich Noethen). Da sind die dubiosen russischen Gelder, die rechte Umtriebe in Deutschland finanzieren. Da ist die „rechtspopulistische“ Partei NAD, die mal als „Nationale Alternative Deutschlands“, mal als „Neue Alternative für Deutschland“ ausbuchstabiert und zum Drohszenario aufgebaut wird.

Da ist der Innenminister von der konservativen Partei, der von den Rechtspopulisten getrieben wird und deswegen den erfolgreichen Kämpfer mimen will (Christian Berkel). Und da sind die Sicherheitsbehörden, die sich ganz auf die Bedrohung durch den Islamismus fokussieren und dabei „auf dem rechten Auge“ blind erscheinen. Daß es ausgerechnet eine Frau ist, die in der Behörde als einzige unter vielen Männern die rechte Bedrohungslage erkennt (Nina Kunzendorf), paßt in dieses Weltbild dann auch noch wunderbar rein.

In „Furia“ sollen Fiktion und Realität verschwimmen

Die Serie „Furia“ ist eine riesige Version dessen, was man heute eine Verschwörungstheorie nennt: Eine rechtsextreme Terrorzelle verübt Anschläge, tarnt sie als islamistische Attentate (als ob man islamistische Anschläge erst erfinden müßte) und erhofft sich so antimuslimische Ausschreitungen und einen Umsturz in ganz Europa („Aktion, Reaktion, Eskalation“). Der platte Plot der norwegisch-deutschen Produktion entfaltet sich etwa zur Hälfte in Norwegen, zur anderen Hälfte in Deutschland.

Das große Finale findet in Berlin statt, Bundestagswahlkampf, TV-Debatte und ein zweiter 11. September inklusive. Im Zentrum der Erzählung steht – als Namensgeberin der Serie – „Furia“, eine norwegische Geheimdienstmitarbeiterin, die die Terrorzelle infiltriert (Ine Marie Wilmann). Am Ende wird sie – Achtung Spoiler – natürlich zur Heldin. Ihr Antrieb ist vor allem ein persönlicher: Sie hat ihre Schwester beim Terroranschlag von Anders Breivik in Utøya 2011 verloren und will Rache.

Es ist nicht die einzige Stelle, an der Fiktion und Realität verschwimmen (sollen): Im Innenministerium hängen die Bilder echter Politiker, der ehemaligen Innenminister nämlich – zum Beispiel Wolfgang Schäubles. Auf dem Tisch in einer Holzhütte der Verschwörer liegen echte Bücher, etwa über die Identitäre Bewegung. Zur Darstellung „anti-muslimischer“ Demonstrationen greift die Serie gleich auf originales Videomaterial einer Demonstration vom März 2016 in Berlin zurück.

Die üblichen Verdächtigen sind von „Furia“ begeistert

Die Macher sind offenbar überzeugt, ein reales Szenario darzustellen. Sie wollen nicht nur Fiktion und Unterhaltung liefern, sondern die Zuschauer vor der „rechten Gefahr“ warnen. Entsprechend gibt auch Schauspieler Christian Berkel im ZDF-„Morgenmagazin“ die gewagte These zum Besten: „Das, was in den 50er und 60er Jahren passiert ist, also dieses Schweigen über unsere Geschichte in der jungen Bundesrepublik, die Konsequenzen davon erleben wir jetzt.“ Er habe zum Beispiel „das Erstarken einer bestimmten Partei“ nicht für möglich gehalten. Schauspieler im Kampf gegen Rechts.

Begeistert davon sind die üblichen Verdächtigen: „heute Journal“-Moderator Claus Kleber gab dem Zuschauer seiner Sendung am Sonntag zum Schluß noch einen Wink zur anschließenden Serie mit. Diese sei „dermaßen nah an der Realität“, daß er darauf hinweise. Bei anderen schlägt der Irrwitz der Darstellung dann aber doch zu Buche: Etwas überraschend kritisiert der Rezensent des Deutschlandfunks das „paranoide Bild vom faschistisch untergrabenen Abendland“, das in der Serie gezeichnet werde. Punktlandung.

Nur noch komisch mutet da die große Erklärung an, die „Furia“-Hauptdarstellerin Ine Marie Wilmann im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland für „die Verbindung zwischen Corona-Leugnern und Rechten“ zu finden versucht: „Verunsicherte Menschen suchen nach einfachen Lösungen. Sie wollen wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind. Ich glaube, die Bewegung hin zur radikalen Einfachheit ist eine Reaktion auf die Tatsache, daß unsere Welt immer komplizierter wird.“ Es klingt wie eine Kritik ihrer eigenen Serie.

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In der ZDF-Mediathek ist die gesamte Serie „Furia“ in acht Folgen abrufbar. 

In der ZDF-Serie „Furia“ rüsten Rechtsextreme zum Umsturz – dabei verschmelzen die Serienmacher Fiktion und Realität Foto: World of Trailers / Screenshot YouTube
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