Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen: Sein Lob ist nicht bei jedem willkommen Foto: Foto: picture alliance/Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa / Twitter-Screenshots / JF-Montage
Lob von Maaßen

Die Angst vor dem falschen Applaus

Es war eigentlich als Lob gemeint, doch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) wollte sich das Etikett nicht anheften. Die Formulierung schmeckte ihr nicht, möglicherweise schreckte sie aber auch vor dem Laudator zurück. Schließlich handelte es sich dabei um den früheren Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen und der ist für viele Journalisten und Medien Persona non Grata, seit er ihre schönen Geschichten von angeblichen Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz durchkreuzte.

Genau jener Maaßen hatte am Dienstag einen Artikel der NZZ auf Twitter geteilt, der sich mit der Bevölkerungsentwicklung in deutschen Großstädten beschäftigte. Tenor: Die deutsche Mehrheitsgesellschaft sieht dort ihrem Ende entgegen, in absehbarer Zukunft stellen ausländischstämmige Einwohner die Mehrheit.

NZZ änderte Text

In der ursprünglich veröffentlichten Version war zuerst noch von „Ur-Deutschen“ und „Bio-Deutschen“ die Rede, die es gewöhnt seien, sich als Mehrheit einer Gesellschaft quasi auch als „Eigentümer des Landes“ zu fühlen und dessen Kurs bestimmen, nach einiger Zeit verschwanden die Formulierungen jedoch aus dem Text.

Statt dessen erschien die Anmerkung der Redaktion, der Text sei zunächst „versehentlich in unredigierter Fassung“ publiziert worden. Man bitte, dies zu entschuldigen. Ob Maaßen der nachträgliche Eingriff in den Artikel aufgefallen war oder nicht, ist unbekannt. Jedenfalls empfahl er in auf Twitter, versehen mit dem Zusatz: „Für mich ist die NZZ so etwas wie ‘Westfernsehen’.“

Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Empörungsrufe der üblichen Getroffenen und Betroffenen erhoben.

Ruprecht Polenz, der Twitter-Stegner der CDU, schrieb:

Auch der ehemalige Grünen-Abgeordnete Volker Beck nutzte die Gelegenheit, sich aus der Vergessenheit heraus wieder einmal in Erinnerung zu bringen:

Was ihm von Maaßen jedoch nur eine kurze Erwiderung einbrachte:

Wie zu erwarten, schlug dem ehemaligen Verfassungsschutzchef auch lauter Widerspruch aus den Reihen der geschmähten Presse zurück:

Mit der wachsenden Empörung über Maaßen schien der NZZ dessen Lob zunehmen unangenehm zu werden. Statt sich entspannt zurückzulehnen und die kostenlose Werbung zu genießen, entschloß sich die Zeitung, mit einer „Notiz in eigener Sache“ via Twitter an die Öffentlichkeit zu gehen. Man sei kein Westfernsehen, lautsprecherte das Blatt die Selbstverständlichkeit. Der Vergleich sei unpassend und Geschichtsklitterung. Man distanziere sich von dieser Bezeichnung.

„Auch bei deutschen Medien arbeiten ausgezeichnete Journalisten und Journalistinnen“, liebdienerte die NZZ in Richtung der Kollegen.

Deren Dank ließ selbstverständlich nicht lange auf sich warten. In Form von kleinen Twitter-Herzchen regnete es Lob, das den Journalisten der NZZ sicher besser schmeckte.

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