#keingeldfuerrechts

Gerald Hensel weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück und kündigt bei Werbeagentur

BERLIN. Der Begründer der Initiative „#keingeldfuerrechts“, Gerald Hensel, hat den Vorwurf, er sei antisemitisch, empört zurückgewiesen. „Ich habe schon einiges an Widerlichkeiten gesehen. Aber aus 22K (22.000, Anm. JF) politischen Tweets die rauszuziehen, die mich als Antisemit zeichnen: Wow“, teilte er Donnerstag morgen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Zuvor hatten andere Nutzer Hensel aufgefordert, sich wegen älterer Einträge zu rechtfertigen. Darin hatte der ehemalige Digitalstratege von Scholz & Friends unter anderem den israelischen Ministerpräsidenten, Benjamin Netanjahu, als „schrecklich bösen Menschen“ bezeichnet.

Netanjahu habe versucht, die US-Regierung dahingehend zu manipulieren, daß sie einem Abkommen mit dem Iran nicht zustimme. Zudem schrieb er: „Es ist eine erwiesene Tatsache, daß sich niemand darum schert, wie viele Menschen Israel tötet.“

Hensel beendet Arbeit bei Scholz & Friends

Unterdessen sagte Hensel dem Stern, er werde seine Anstellung bei der Werbeagentur Scholz & Friends kündigen. Das Unternehmen stehe zwar hinter ihm, bekräftigte Hensel, dennoch habe er sich entschlossen, sein „Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu beenden. Nicht weil ich denke, ich hätte etwas falsch gemacht. Ich habe alles richtig gemacht.“ Der Geschäftsführer bei Scholz & Friends Berlin, Stefan Wegner, hatte Henkels Kampagne in einem Beitrag auf der Werbeplattform WUV.de verteidigt: „Im Rahmen der Meinungsfreiheit ist diese Aktion legitim und muss auszuhalten sein. Sie findet im öffentlichen Raum statt. Sie ruft zur freien Meinungsbildung auf. Sie stellt sich zur Diskussion“.

Laut Hensel sei die Aktion so groß gewesen, „daß ich mich für zukünftige Ideen selbst freier machen muß – und meinen Arbeitgeber auch“. Er wolle sich nun dem Thema „manipulative Knoten“ widmen, Personen, die ein Interesse daran hätten, „daß Menschen dauerwütend sind“.

Stalinismus verharmlost

Mit der Initative „#keingeldfuerrechts“ hatte Hensel vor rund zwei Wochen dazu aufgerufen, Unternehmen darüber zu informieren, daß ihre Werbebanner auch auf seiner Meinung nach rechten Webseiten erscheinen. Auf seiner inzwischen aus dem Netz genommenen Homepage davaidavai.com veröffentlichte er eine Liste mit Seiten, auf die Firmen nicht werben sollten.

Mit dem Namen und dem Logo der Seite (ein roter Stern) verharmloste Hensel den Stalinismus. „Davai“ stammt aus dem Russischen und bedeutet „mach voran!“. Mit dem Ausruf „Davai, davai!“ trieben Gulagaufseher Gefangene zur Arbeit an. Hensel rechtfertige die Namensgebung: „Auch wenn der Kontext traurig ist, so liefert er mir einen Namen, der die Herausforderung des zweitens Jahrzehnts im 21. Jahrhundert so gut wie kein anderer beschreibt.“ (ls)

A. Paul Weber: Der Denunziant Foto: picture-alliance / akg-images

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