Falschmeldung

Radiosender schiebt linke Gewalt Pegida in die Schuhe

BERLIN. Der Berliner Radiosender Energy hat eingeräumt, eine Falschmeldung über angebliche Gewalt von Pegida-Sympathisanten verbreitet zu haben. Energy hatte am Dienstag über Ausschreitungen in Dresden während der Pegida-Kundgebung  berichtet und aus dem verletzten Pegida-Teilnehmer einen verletzten Pegida-Gegner gemacht. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT räumte der Nachrichtensprecher Michael Bottlik den Fehler ein. Eine Korrektur werde es jedoch nicht geben.

Am Montagabend war es zu heftigen Auseinandersetzungen in Dresden gekommen. Gewalttätige linke Gegendemonstranten hatten einen Sternmarsch gegen die Pegida-Kundgebung vor der Semperoper organisiert. Eine Mann, der zur Pegida-Kundgebung wollte, wurde von ihnen schwer verletzt. Im Polizeibericht dazu heißt es: „Der Geschädigte erlitt schwere Verletzungen und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.“

„Das war nicht richtig“

Am Dienstagmorgen berichtete die Berlin-Redaktion von Energy über den Vorfall. Der Moderator fragte Nachrichtensprecher Michael Bottlik: „Micha, Dresden scheint jetzt immer montags zum gefährlichen Pflaster zu werden?“ Dieser antwortete: „So ist es – und zwar wegen der Pegida.“

Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen, weil dort „drei Stunden lang Asylbewerber und demokratische Parteien beschimpft“ worden seien. Am Ende der Meldung berichtete der Sprecher: „Ein Gegendemonstrant wird mit einer Eisenstange verprügelt. Er liegt jetzt schwerverletzt im Krankenhaus.“ Diese Nachricht wurde so mehrfach am Dienstagmorgen vorgelesen. Ein Mitschnitt findet sich hier:

Auf JF-Nachfrage erklärte Bottlik, ihm habe der (online zugängliche) Polizeibericht nicht vorgelegen. Er räumte seinen Fehler ein und sagte: „Das war nicht richtig.“ Andererseits könne es keine Richtigstellung im laufenden Programm geben. „So etwas ist immer schwierig zu erklären für denjenigen, der es nicht gehört hat“, sagte er zur Begründung.

Auch andere Sender berichteten mißverständlich

Energy wird in Deutschland auf 30 Frequenzen – darunter Berlin, Hamburg und München – ausgestrahlt. Der Senderverbund gehört zum französischen Medienunternehmen NRJ und ist nach eigenen Angaben das größte private Radiounternehmen Europas. Laut Medienanalyse (2. Quartal 2015) erreicht der Sender durchschnittlich 50.000 Hörer pro Stunde. Auch in anderen Radiosendern, wie dem Deutschlandfunk, wurde die Nachricht über den verletzten Demonstranten mißverständlich verbreitet, so daß der Eindruck entstehen konnte, Anhänger von Pegida hätten einen Gegner angegriffen. (rg)

Hier der ausführliche Ausschnitt zum Nachhören:

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