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Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern: Documenta: Als antisemitisch kritisiertes Gemälde wird entfernt

Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern: Documenta: Als antisemitisch kritisiertes Gemälde wird entfernt

Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern: Documenta: Als antisemitisch kritisiertes Gemälde wird entfernt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Die Anerkennung des Staates Israel sei in Deutschland „Voraussetzung der Debatte“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Die Anerkennung des Staates Israel sei in Deutschland „Voraussetzung der Debatte“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Documenta: Die Anerkennung des Staates Israel sei in Deutschland „Voraussetzung der Debatte“ Foto: picture alliance/Swen Pförtner/dpa
Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern
 

Documenta: Als antisemitisch kritisiertes Gemälde wird entfernt

KASSEL. Die Leitung der Kunstausstellung Documenta hat angekündigt, das als antisemitisch kritisiertes Gemälde des indonesischen Künstlerkollektivs „Taring Padi“ mit schwarzem Stoff zu entfernen. Zunähst war es nach einem Sturm der Empörung mit schwarzem Stoff verhüllt worden.

„Es ist überfällig, daß dieses Wandbild, das eindeutig antisemitische Bildelemente aufweist, jetzt von der Documenta entfernt wird“, lobte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne)  die Entscheidung. Zuvor hatte sie eine klare „antisemitischen Bildsprache“ kritisiert, die von dem Banner ausgehe. Hier stoße die Kunstfreiheit an ihre Grenzen. „Die Menschenwürde, der Schutz gegen Antisemitismus wie auch gegen Rassismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit sind die Grundlagen unseres Zusammenlebens“, betonte sie.

Auf dem Gemälde war unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen, der auf seinem roten Halstuch einen Davidstern trägt. Auf seinem Helm stand der Name des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad. Eine andere Stelle auf demselben Bild zeigte einen Mann mit Kippa, Hut und Schläfenlocken. Ihn zeichneten die Künstler mit blutunterlaufenen Augen, spitzen Zähnen und krummer Nase. Zahlreiche Verbände und Politiker reagierten darauf mit Empörung.

Israel zieht Parallelen zur „Propaganda von Goebbels“

Die israelische Botschaft in Berlin verwies in ihrer Empörung über das Banner auf die Zeit des Nationalsozialismus: „Die in einigen Exponaten gezeigten Elemente erinnern an die Propaganda von Goebbels und seinen Handlangern in dunklen Zeiten der deutschen Geschichte“, kritisierte die diplomatische Vertretung. Alle roten Linien seien überschritten worden und die Elemente müßten umgehend von der Leitung der Documenta entfernt werden.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Joseph Schuster, forderte überdies Konsequenzen für die Verantwortlichen. Kunstfreiheit ende dort, wo „Menschenfeindlichkeit“ beginne. Das American Jewish Committee Berlin stellte sich hinter die Forderung nach Konsequenzen und drängt auf eine Entlassung von Documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann.

Documenta stand bereits vorab in der Kritik

Kritik hagelt es auch aus dem hessischen Parlament. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Uwe Becker, bescheinigte dem Werk einen „eindeutig antisemitischen Charakter“, der keinen Spielraum für Interpretationen zulasse. „Antisemitismus bleibt Antisemitismus, ob gesprochen, gemalt oder gesungen“, insistierte er. Dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, ist es ein Rätsel, wie es überhaupt zur Ausstellung des Banners kommen konnte.

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch warf Kulturstaatsministerin Roth „mehr als Fahrlässigkeit“ vor. „Sie war gewarnt, unter anderen vom Zentralrat der Juden, und hat sehenden Auges diesen widerlichen ‘künstlerischen’ Akt des offenen Judenhasses geschehen lassen“, bemängelte sie. Damit sei die Grünen-Politikerin nicht mehr tragbar.

Bereits im Vorfeld hatte der Umgang der Documenta mit als antisemitisch kritisierten Künstlergruppen für Empörung gesorgt. Dem Kollektiv Ruangrupa, das mit der künstlerischen Leitung der Ausstellung betraut ist, wird etwa vorgeworfen, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen.

Steinmeier: Anerkennung Israels ist Voraussetzung für Debatte

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte nach eigenen Angaben vorab gezweifelt, ob er die Ansprache auf der Documenta halten solle. Die Anerkennung des Staates Israel sei in Deutschland „Voraussetzung der Debatte“.

Taring Padi wehrt sich unterdessen gegen die Vorwürfe. „Unsere Arbeiten enthalten keine Inhalte, die darauf abzielen, irgendwelche Bevölkerungsgruppen auf negative Weise darzustellen“, teilten sie mit.

„Die künstlerische Praxis des Kollektivs ist vor dem Hintergrund der gesellschaftspolitischen und kulturellen Solidarität der Gruppe und ihrer Aktivitäten zu verstehen“, heißt es auf der Internetseite der Documenta. Taring Padi sei 1998 von einer „Gruppe progressiver Kunststudierenden und Aktivist*innen als Antwort auf die gesellschaftspolitischen Umwälzungen der indonesischen Reformasi-Ära gegründet“ worden. Die Docuementa ist die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. (zit)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Documenta: Die Anerkennung des Staates Israel sei in Deutschland „Voraussetzung der Debatte“ Foto: picture alliance/Swen Pförtner/dpa
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