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Ein indisches Menü: Wann darf man noch Curry sagen? Foto: picture alliance / imageBROKER | Gabriele Thielmann
Ein indisches Menü: Wann darf man noch Curry sagen? Foto: picture alliance / imageBROKER | Gabriele Thielmann

Indische Gerichte
 

„Woke“ Küche: scharfer Streit ums Curry

Nicht nur die Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Mittlerweile entscheiden auch kulinarische Vorlieben und deren korrekte Bezeichnung darüber, ob man von seinen progressiven oder „woken“ Bekannten akzeptiert wird. Wer es sich mit diesen nicht verscherzen will, sollte das Wort „Curry“ für Gerichte der indischen und südasiatischen Küche besser aus seinem Wortschatz streichen.

Das fordern Food-Blogger wie Chaheti Bansal. Diese beklagte in einem Instagram-Video, daß trotz der Vielfalt der indischen Küche mit „Curry“ immer noch ein von Weißen geprägter Begriff verwendet werde, da diese sich nicht die Mühe machten, die richtigen Namen der Gerichte zu lernen.

Gegenüber NBC Asian America betonte sie, es gehe darum, Menschen darüber aufzuklären, was es mit dem Begriff auf sich habe und wann er zu vermeiden sei. Ganz verschwinden solle „Curry“ jedoch nicht, da es hier und da doch als Sammelbegriff für verschiedene Speisen angebracht sei.

„Curry“ stamme aus „weißer, christlicher Vorherrschaft“

Auf den Plan gerufen hat die pikante Diskussion auch die Professorin der Universität Vermont, Ilyse Morgenstein Fuerst. Die weiße Religionswissenschaftlerin gibt sich weniger versöhnlich als Bansal. Denn aufgrund seines Ursprungs in der „weißen, christlichen Vorherrschaft“ sollte „Curry“ nicht mehr verwendet werden, belehrte sie via NBC News die Freunde der indischen Küche.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte künftig per Fernstudium über diverse Food Blogger Kanäle lernen, wie welches Gericht korrekt zu benennen ist, bevor er sich ins indische Restaurant traut. Vielleicht stattet einen Frau Professor Morgenstein Fuerst noch mit einem Zertifikat aus, das dem Besitzer bescheinigt, kein Vokabular aus der „weißen, christlichen Vorherrschaft“ zu verwendet.

Nachdem die englische Stadt Leeds Ende Juli ankündigte, Traditionsprodukte auf deren koloniale Herkunft prüfen zu lassen, scheint sich ein Trend abzuzeichnen, das schlechte Gewissen wegen angeblicher kultureller Aneignung auch auf den Eßtisch auszuweiten. Damit man sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt sieht, Nahrung zu sich zu nehmen, die erst durch Ausbeutung oder Sklavenarbeit den Weg auf den europäischen Speiseplan fand, bleibt wohl nur der Rückgriff auf die seit dem Mittelalter verbreiteten Getreidebreie, Suppen und Bier als Grundnahrungsmittel. Etwas eintönig, aber immerhin ohne kolonialen Hintergrund.

Ein indisches Menü: Wann darf man noch Curry sagen? Foto: picture alliance / imageBROKER | Gabriele Thielmann
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