Die Kuppel des wiederaufgebauten Berliner Stadtschlosses und der Berliner Fernsehturm Foto: picture alliance / Zoonar | elxeneize
Die Kuppel des wiederaufgebauten Berliner Stadtschlosses und der Berliner Fernsehturm Foto: picture alliance / Zoonar | elxeneize

Wegen „Alleingültigskeitsanspruch“
 

Berliner Schloß: Humboldt-Forum distanziert sich von Bibelinschrift

BERLIN. Das Humboldt-Forum hat sich von den Bibelversen auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses distanziert. Die Bundesstiftung teilte laut B.Z. am Montag mit, ein Hinweisschild auf der Dachterrasse des Museumsbaus anzubringen. „Alle Institutionen des Humboldt-Forums distanzieren sich ausdrücklich von dem Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums, den die Inschrift zum Ausdruck bringt“, soll demnach auf der Tafel stehen.

Eine Sprecherin des Forums erläuterte, man müsse sich von dem „Herrschaftsanspruch“ des Christentums abgrenzen, der mit den Bibelzeilen „sowie einer Vielzahl an Symbolen an der Fassade“ transportiert werde. Zuvor hatte bereits die evangelische Nachrichtenagentur Idea über den Vorgang berichtet.

Erzbischof: Inschrift ist Botschaft der Freiheit

Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, interpretierte die Inschrift an der Kuppel anders. Für ihn betonten die Verse, „daß die Menschen sich nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen.“ Daraus spreche eine große Freiheit.

Bei der Inschrift handelt es sich um eine historische Zusammenstellung von Bibelversen. Die Worte entstammen der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen. Der preußische König Wilhelm IV. hatte sich seinerzeit für die Auswahl der Bibelstellen entschieden: „Es ist in keinem andern Heil, (…) denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Historiker fordert kritisches Verhältnis zur eigenen Geschichte

Seit seiner Eröffnung am 20. Juli steht das Humboldt-Forum in der Kritik. Vergangene Woche beanstandete der Historiker Götz Aly das Ausstellungskonzept des ethnologischen Museums. „Diese Ausstellung ist wirklich skandalös“, sagte Aly bei einer Diskussion über Kolonialismus in den Räumlichkeiten der Kulturinstitution.

Mit Rücksicht auf das im ethnologischen Museum ausgestellte sogenannte Luf-Boot beklagte der 74jährige laut B.Z., die Besucher erhielten keine Informationen über den kulturellen Hintergrund. „Sie erfahren nichts über die Vernichtung dieser Kultur durch zwei deutsche Kriegsschiffe.“

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterstrich, das Humboldt Forum müsse ein kritisches Verhältnis zu seinem eigenen kulturellen Kontext einnehmen. Bei der Eröffnung des ethnologischen Museums am 22. September sagte er: „Die Wahrheit ist: Wenn es um die Kolonialzeit geht, haben wir sonst so geschichtsbewußten Deutschen allzu viele Leerstellen! Wir haben blinde Flecken in unserer Erinnerung und Selbstwahrnehmung.“ (fw)

Die Kuppel des wiederaufgebauten Berliner Stadtschlosses und der Berliner Fernsehturm Foto: picture alliance / Zoonar | elxeneize
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