Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz im November. Anläßlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens lobte er die historischen Verdienste der Gastarbeiter Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz im November. Anläßlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens lobte er die historischen Verdienste der Gastarbeiter Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Zum 60. Jahrestag
 

Bayerischer Innenminister lobt deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

MÜNCHEN. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat sich anerkennend über das deutsch-türkische Anwerbeabkommen geäußert. „Wir müssen rein wirtschaftlich klar feststellen: Ohne die vielen fleißigen Menschen aus der Türkei, aber auch aus Italien, aus Spanien, aus Griechenland, Marokko und vielen anderen Ländern, wäre der wirtschaftliche Motor in Deutschland ins Stottern geraten“, betonte er am Montag anläßlich eines Festakts zur Erinnerung an die Vereinbarung.

In Deutschland hätten viele Firmen „sehnsüchtig“ auf die Gastarbeiter aus dem Ausland gewartet. „Da sind Menschen zu uns gekommen, weil wir sie dringend gebraucht haben“, behauptete Herrmann. Die nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens einsetzende Migration sei keine „Flüchtlingswelle“ gewesen. Die Bundesrepublik habe die Türkei vielmehr um ein Anwerbeabkommen gebeten. „Wir wollten diese Menschen bei uns haben“, unterstrich er.

Herrmann lobt gelungene Integration in Bayern

„Das heutige Deutschland ist schlicht und einfach nicht vorstellbar ohne all die Frauen und Männer, die als sogenannte Gastarbeiter in die Bundesrepublik, oder als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen sind“, lobte Herrmann die Folgen der damaligen Arbeitsmigration. Deutschland wäre ohne die Gastarbeiter um viele „wunderbare“ Menschen ärmer. Bayern sei ein Land der gelungenen Integration.

Allerdings stand der Freistaat zuletzt vor allem auch wegen Ausländerkriminalität in den Schlagzeilen. So hatte ein 27jähriger Syrer vor zwei Wochen in einem ICE von Regensburg nach Nürnberg wahllos auf Menschen eingestochen. Die Behörden wollten zuletzt auch ein islamistisches Tatmotiv nicht mehr ausschließen.

Anwerbeabkommen ging nicht von Deutschland aus

Deutsche Politiker behaupten heutzutage regelmäßig, die Bundesrepublik habe in den sechziger Jahren die Gastarbeiter aus der Türkei gerufen. Tatsächlich ging die Initiative aber von den Herkunftsstaaten aus, wie der Migrationsforscher Johannes-Dieter Steinert bereits vor zehn Jahren anläßlich des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT erläuterte.

Die damals politisch instabile und wirtschaftliche schwache Türkei erhoffte sich von der Maßnahme einerseits einen Lohntransfer, da klar war, daß die Gastarbeiter das Geld zu ihren Familien nach Hause schicken würden. Auch ging die türkische Regierung davon aus, daß ihre Landsleute nach einigen Jahren wieder zurückkehren würden. Ihre im Ausland erworbenen Fähigkeiten sollten dann ebenfalls der türkischen Wirtschaft zugutekommen. (fw)

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz im November. Anläßlich des 60. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens lobte er die historischen Verdienste der Gastarbeiter Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
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