Drohende Gelstrafe für „Mission Lifeline“

Kapitän Reisch: „Habe vor 300.000 Euro nicht die Hosen voll“

MÜNCHEN. Der Kapitän der Flüchtlingsorganisation „Mission Lifeline“, Claus-Peter Reisch, hat sich unbeeindruckt von der drohenden Geldstrafe gezeigt. „Ich habe vor diesen 300. 000 Euro nicht die Hosen voll. Die Strafe ist in meinen Augen widerrechtlich und wir werden bis zur letzten Instanz gegen sie vorgehen“, sagte der 58jährige Bayer dem Onlinemagazin „jetzt“ der Süddeutschen Zeitung.

Reisch war mit dieser Geldstrafe belegt worden, weil er Anfang September mit über 100 Migranten illegal in den Hafen von Pozallo in Sizilien eingefahren war. Aufgrund der vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Salvini (Lega) erlassenen Dekrete drohen dem Kapitän nun die Geldstrafe und 20 Jahre Haft. Es sei ihm jedoch „egal, was der Herr Salvini in sein Dekret kritzelt“.

Reisch erhebt Vorwürfe gegen Europäer

Er hoffe, daß unter der neuen Regierung in Rom diese Regelungen aufgehoben würden. Bislang habe es jedoch kein Anzeichen dafür gegeben. „Ich bin leider gezwungen, weiterhin dagegen vorzugehen und das kostet einen Haufen Geld und einen Haufen Zeit“, bedauerte Reisch.

An die Adresse der europäischen Staaten richtete der von der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag ausgezeichnete Kapitän scharfe Vorwürfe. Während seiner letzten Fahrt im Mittelmeer habe er Beweise sammeln können, daß europäische Marineflugzeuge mit der libyschen Küstenwache zusammenarbeiteten. Europäer würden „mit diesen ekligen sogenannten Küstenwächtern kommunizieren und denen Positionen von Flüchtlingen in Seenot durchgeben“.

Zudem werde die Arbeit der Flüchtlingsorganisationen von europäischen Behörden behindert. „Die Europäische Politik weiß, was passiert, und handelt nicht. Die Verantwortlichen lassen diese Leute gezielt ersaufen.“ (ag)

„Mission-Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch gibt sich unbeeindruckt von der drohenden Strafe Foto: picture alliance/Horst Galuschka/dpa

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