Xavier Naidoo
Xavier Naidoo: Kritik an Nominierung Foto: dpa
Streit um Eurovision Song Contest

ARD verteidigt Xavier Naidoo

BERLIN. Die ARD hat die Nominierung des Popmusikers Xavier Naidoo für den Eurovision Song Contest 2016 verteidigt. „Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Die Kandidatenkür hatte zuvor für massive Kritik gesorgt.

So schrieb etwa der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck auf dem Kurznachrichtendienst Twitter:

Auch der hessische SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich empört:

Zudem wurde im Internet eine Petition gestartet, um den Auftritt Naidoos für Deutschland zu verhindern. In der Begründung heißt es, der Musiker habe in der Vergangenheit „von in Europa stattfindenden Ritualmorden an Kindern gesprochen“ und glaube an die Existenz einer „BRD GmbH“. Zudem trete er „als Leugner der offiziellen Darstellung der Anschläge vom 11. September auf“.

Konkret hieß es in einem Song des Sängers:

Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann fick ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Die Linkspartei warf ihm daraufhin Homophobie vor und stellte Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete keine Ermittlungen ein. Kritiker werfen Naidoo bereits seit längerem auch vor, mit der Bewegung der sogenannten „Reichsbürger“ zu sympathisieren.

„Xavier Naidoo steht seit langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe“

ARD-Unterhaltungskoordinator Schreiber wies dagegen darauf hin, daß sich der Sänger für die deutsch-israelische Freundschaft einsetze und sich für Asylbewerber engagiere. „Xavier Naidoo steht seit langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe“, betonte Schreiber. Zudem sei er als Kind „selber massiv diskriminiert worden und hat Schläge bekommen, weil er keine weiße Hautfarbe hat“. Nach Deutschland habe er nur mit Hilfe eines jüdischen Onkels kommen können.

Zuletzt hatte der Musiker im März 2015 für Aufsehen gesorgt, als er sagte, es gebe Vereinbarungen mit den USA, die Deutschlands Souveränität einschränkten. „Sie existieren wirklich. Danach dürfen die Amerikaner uns überwachen. Deutschland ist insoweit kein souveränes Land. Wir sind nicht frei.“ Auch eine Teilnahme an einer Kundgebung der „Reichsbürger“ vor dem Kanzleramt verteidigte Naidoo. „Man kann es mir doch nicht verübeln, mich zu informieren“. (ho)

Xavier Naidoo: Kritik an Nominierung Foto: dpa

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