Kriminalität von Asylbewerbern

„Es wird kaschiert, weggedrückt und umbenannt“

HANNOVER. Wird die Zahl der von Asylbewerbern begangenen Straftaten von der Polizei geschönt? Zu diesem Schluß kommt ein Artikel, der am Donnerstag in der in mehreren Regionalzeitungen der Madsack-Mediengruppe erschienen ist.

„Es wird nicht gelogen, nichts vertuscht, aber es werden ganz bewußt Dinge weggelassen. Das ist das Problem“, beklagt ein Kriminalbeamter in dem Bericht. Für das Verfassen der Polizeiberichte gebe es die Anweisung, „unseren Interpretationsspielraum so zu nutzen, damit der zivile Frieden gewahrt bleibt“.

„Rechte Schreihälse“

Hierfür würden Fälle wie blutige Schlägereien heruntergespielt und verharmlost. Zu viele schlechte Nachrichten aus den Asylunterkünften könnten dazu führen, daß die Stimmung kippe und „rechten Schreihälsen“ in die Karten spielen, befürchten die Beamten.

Die Anweisung gelte auch für die Erstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Im Innenministerium würde die Ansicht vertreten, der Bevölkerung könne die Erkenntnis nicht zugemutet werden, daß die Statistik eine Häufung sexueller Gewalt und schwerer Körperverletzungen in und um Flüchtlingszentren bestätige. Deswegen würden „Statistikfilter ein wenig anders gesetzt“, einige Zahlen würden verspätet geliefert und es würde „kaschiert, weggedrückt und umbenannt“.

LKA erwartet Kriminalitätsanstieg

Das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern teilte am Donnerstag aufgrund des Artikels mit, die Landespolizei bearbeite und erfasse alle Straftaten gleichermaßen. „Ein Teil der Straftaten im Zusammenhang mit der seit September angestiegenen Zuwanderung“ könne in der Statistik aber noch gar nicht enthalten sein. „Auch ohne belastbares statistisches Material ist jedoch zu erwarten, daß es zukünftig einen Anstieg von Straftaten geben wird.“

In den vergangen Monaten seien weit über 10.000 Menschen nach Mecklenburg-Vorpommern eingewandert. „Zu erwarten, daß gerade diese Menschen keine Straftaten begehen werden ist wirklichkeitsfremd.“ Vielmehr bestehe für Menschen, „die gesellschaftlich hier nicht verwurzelt sind, aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kommen und teilweise traumatisiert sind, gerade ein spezifisches Risiko der Straffälligkeit“. (krk)

Polizisten vor einer Einrichtung für Asylbewerber in Trier Foto: picture alliance/dpa

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