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Kampagne
 

Irgendwas wird schon hängenbleiben

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Linksextremisten demonstrieren gegen den Coburger Convent Foto: JF

Studentenverbindungen haben in Hamburg keinen leichten Stand. Eine starke linke Szene mit guten Verbindungen zur Presse sorgt immer wieder dafür, daß Veranstaltungen von Korporationen abgesagt werden müssen oder nur unter Schwierigkeiten stattfinden können.

Immer wieder geraten auch einzelne Mitglieder im Zuge von Kampagnen gegen Verbindungen unter Druck. Prominentestes Beispiel ist der CDU-Politiker Christoph Ahlhaus. Als sich der damalige Innensenator im Sommer 2010 anschickte, Ole von Beust als Erster Bürgermeister der Hansestadt nachzufolgen, skandalisierten linke Gruppen und Medien dessen Kontakte zur Heidelberger Turnerschaft Ghibellinia. Ahlhaus brach mit Rücksicht auf den grünen Koalitionspartner den Kontakt zur Verbindung, bei der er einige Male zu Gast gewesen war, ab. Für die Verbindungen in der Stadt war das Klima nach der Kampagne erneut rauher geworden.

Derzeit steht einmal mehr die Hamburger Burschenschaft Germania in der Kritik. Anlaß ist eine Veranstaltung auf dem Haus der Verbindung Anfang Januar, bei der auch der stellvertretende NPD-Vorsitzende von Niedersachsen, Matthias Behrens, anwesend war. Nachdem linksextreme Internetseiten den Vorgang publik gemacht hatten, berichtete auch die Hamburger Ausgabe der Welt über den Fall.

Kampagne gegen Vorsitzenden des Hamburger Reservistenverbands

Tenor des Artikels: Die Burschenschaft sei ein Fall für den Verfassungsschutz. Als besonders pikantes Detail wurde dem Leser dabei der eigentlich harmlose Umstand präsentiert, daß der frühere stellvertretende Vorsitzende des Altherrenverbands der Germania, Ramon-Stefan Schmidt, heute als Vorsitzender des Hamburger Reservistenverbands fungiert. Die Welt machte daraus: „Personelle Verbindung“ zwischen Bundeswehr und Burschenschaft mit „Kontakten zu Neonazis“.

Die Argumentation folgte einem Beitrag des Verbindungskritikers Felix Krebs, den dieser zuvor auf dem linksextremen Internetportal Indymedia veröffentlicht hatte. Von „Nazifreund Schmidt“ war darin die Rede und von „personellen Verflechtungen der Hamburger Burschenschaft Germania mit der neofaschistischen Szene“ und „Institutionen der Bundeswehr“. 

Der Reservistenverband organisiere regelmäßig Schieß- und Geländeübungen, warnte Krebs, und beklagte, daß es nach wie vor unbekannt sei, wie viele „Nazifreunde der Germania“ daran teilnähmen, wie viele Reservisten Mitglied „extrem rechter Burschenschaften“ seien und wie hoch die Zahl der Schußwaffen, über die diese verfügten.

„Militaristen, Ewiggestrigen und Neonazis“

Felix Krebs, der mit bürgerlichem Namen Ernst Krefft heißt und als Arzt in einem Hamburger Krankenhaus arbeitet, ist unter Korporierten kein Unbekannter. Seit Jahren polemisiert der 47jährige unter seinem Pseudonym gegen Studentenverbindungen, vornehmlich in linksradikalen Blättern wie Der Rechte Rand, Antifaschistische Nachrichten oder dem Antifa-Infoblatt. Unter dem Namen Krebs engagiert sich Krefft zudem im „Hamburger Bündnis gegen Rechts“, das im Verfassungsschutzbericht als linksextremistisch beeinflußte Organisation aufgeführt wird.

Bis mindestens 2006 war er zudem Mitglied der linksextremen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). So zumindest steht es in der Personalangabe zu einem Artikel, den Krefft damals in der Hamburger Lehrerzeitung über das Internationale Maritime Museum des ehemaligen Springer-Chefs Peter Tamm veröffentlichte. Krefft beklagte darin, die Einrichtung entwickle sich zur einer Pilgerstätte von „Militaristen, Ewiggestrigen und Neonazis“.

In seinen Artikeln als Felix Krebs verfährt Krefft stets nach der gleichen Devise: Alles wird mit allem vermengt und möglichst mit viel Dreck beworfen. Irgendwas wird schon hängenbleiben. Ein Beispiel: In der Kampagne gegen Ahlhaus, die maßgeblich von Krebs und dem „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ initiiert worden war, rückte er den CDU-Politiker in die Nähe des Nationalsozialismus. Schließlich sei der Regisseur des Propagandafilms „Der ewige Jude“, Fritz Hippler, Mitglied der Landsmannschaft Teutonia Heidelberg gewesen und damit quasi ein Verbandsbruder von Ahlhaus. 

Berufliches Umfeld wird ins Visier genommen

Auch wenn bei Politikern wie Ahlhaus solche plumpen Vorwürfe nicht verfangen, für weniger prominente Opfer entwickeln sich solche Kausalketten schnell zur regelrechten Hexenjagd. Insbesondere wenn deren berufliches Umfeld ins Visier genommen wird.

So mußte sich 2009 der damalige Altherrenvorsitzende der Germania, Götz  Noack, gegen Entlassungsforderungen wehren, nachdem Antifa und Linkspartei, dessen Tätigkeit als Beamter für die Hamburger Finanzbehörde skandalisiert hatten. Schützenhilfe erhielt die Kampagne durch die Taz und das Neue Deutschland – und den „Burschenschaftsexperten“ Felix Krebs.

JF 7/12

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