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Freizeitkultur: Hobby Horsing – Galopp auf dem Holzstock

Freizeitkultur: Hobby Horsing – Galopp auf dem Holzstock

Freizeitkultur: Hobby Horsing – Galopp auf dem Holzstock

Ein junges Mädchen reitet auf einem Holzstock – es handelt sich um die Teilnehmerin eines Hobby Horsing Events in Frankfurt, 2024
Ein junges Mädchen reitet auf einem Holzstock – es handelt sich um die Teilnehmerin eines Hobby Horsing Events in Frankfurt, 2024
Eine Teilnehmerin eines Hobby-Horsing-Events in Frankfurt, 2024. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Michael Probst
Freizeitkultur
 

Hobby Horsing – Galopp auf dem Holzstock

Die Tochter will ein Pony? Wem das zu teuer ist, kann dem Nachwuchs nun eine Alternative anbieten: Hobby Horsing. Was skurril klingt, entwickelt sich mittlerweile zum Trend.
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Steckenpferdreiten war gestern. Der Kinderspaß von früher ist heute Profisport. Und hat natürlich einen hippen englischen Namen: „Hobby Horsing“. Erfunden haben das Steckenpferd 2.0 aber keine exzentrischen Briten oder infantilisierte deutsche Lauchs, sondern die Finnen. Bis das Steckenpferdreiten als Wettbewerbsdisziplin der Leichtathletik zu uns fand, hat es etwas länger gedauert – in Finnland begann es bereits um 2010 – doch nun gibt es auch in Deutschland einen offiziellen Verband – wieher!

Dem Deutschen Hobby Horsing Verband e.V. (DtHHV) gehören laut Eigenauskunft über dreihundert örtliche Clubs mit insgesamt fast zehntausend Mitgliedern an. Vor allem über soziale Medien findet der Pferdesport ohne Pferde Zulauf, vor allem von jungen Mädchen. Die Steckenpferde werden mit viel Aufwand individuell gestaltet und verziert. Natürlich haben sich längst professionelle Anbieter auf dieses Geschäft gestürzt: Onlineshops bieten Hobby Horses und Zubehör in jeder Preisliga, von der Reiterkappe bis zum Halfter mit Straßbesatz. Für Eltern ist die Holzvariante aber immer noch preiswerter als „Papa, krieg’ ich ein Pony?!“

Der sportliche Bewegungsaspekt kommt jedoch nicht zu kurz, denn laufen und springen müssen die Reiterinnen selbst. Tierrechtsaktivisten empfehlen Hobby Horsing deshalb als ernsthafte Alternative zum Reitsport ohne Tierquälerei. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung dagegen begrüßt das Steckenpferdreiten als niedrigschwelligen Einstieg in den echten Pferdesport. Um entsprechende Synergien zu schaffen, werden Hobby-Horsing-Events teils in Reitturniere integriert.Wie bei den richtigen Equestrian-Enthusiasten gibt es auch beim Galopp auf dem Holzstock ein umfassendes Verbands-Regelwerk, um einheitliche Standards für Wettbewerbe sicherzustellen.

Es herrscht Männermangel beim Hobby Horsing

Die Reiterinnen müssen verschiedene Gangarten simulieren und natürlich rennen und springen. Das erfordert Fitneß und Training. Als übergewichtiger Klops rinnen sonst Tränen, wenn man mit dem Pferd am Stiel nicht über den Oxer kommt. Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur werden kräftig beansprucht, aber Geschicklichkeit und Koordination sind ebenfalls gefragt.

Während sich bereits auch ältere Mädchen für Hobby Horsing interessieren (bei den Meisterschaften 2024 war die älteste Teilnehmerin 49 Jahre), beklagt der Verband, daß so gut wie keine Männer vertreten sind. Man bemüht sich, zu betonen, daß Steckenpferdreiten auch für männliche Teilnehmer bestens geeignet ist und wirbt für mehr maskuline Beteiligung.

Achselzuckend stellen die Hobby Horser jedoch fest, daß die männliche Verweigerung weitgehend auch den klassischen Reitsport betrifft („der eng mit dem Hobby Horsing verwandt ist“). Es heißt: „Die Offenheit und Diversität der Hobby- Horsing-Community bietet allen die Möglichkeit, ihre Leidenschaft unabhängig von Geschlechterrollen auszuleben.“

Trainer kommen über ihre Töchter zum Sport

Keine Sorge: Bei der wachsenden Zahl von urban-universitären Männerattrappen mit Dutt und „Geschlechtsfluidität“ dürfte deren Begeisterung für das Stockpferdhopsen nur noch eine Frage der Zeit sein. Aber wer sagt es denn? Als Trainer, Verbandsfunktionäre und Herausgeber des deutschen Hobby-Horsing-Magazins haben sich schon einige Männer eingefunden: Präsident und Vizepräsident des DtHHV heißen Kay Schumann und Patrick Finsterseifer. Beide haben den Sport nach eigenen Aussagen durch ihre Töchter entdeckt und agieren seitdem als Trainer und Schiedsrichter. Schumann eröffnete sogar einen Online-Shop für Zubehör.

Im Januar starteten die Qualifikationsturniere, Interessierte können am 1. Februar in Ditzingen und am 8. Februar in Zornheim zuschauen. Dort treten die Teilnehmer in fünf Altersklassen (Jahrgänge 2017 bis 1995 und älter) in den Disziplinen „Dressur schwer“, „Stilspringen mittel“ (50 cm) und „Zeitspringen schwer“ (60/70 cm) für zehn Euro Startgeld gegeneinander an.

Im September 2026 steht die Landesmeisterschaft NRW in Lohmar bei Köln an. Dort gibt es sogar eine Gelände-Prüfung. Hoffentlich kommt es dabei nicht zu schweren Stürzen – oder zu Mißhandlungen der Pferde durch zu ehrgeizige Reiter …

Aus der JF-Ausgabe 5/26.

Eine Teilnehmerin eines Hobby-Horsing-Events in Frankfurt, 2024. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Michael Probst
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