Lukas der Lokomotivführer (r.) und Jim Knopf sind wieder im Kino zu sehen Foto: picture alliance/Jörg Carstensen/dpa
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„Jim Knopf und die Wilde 13“ im Kino

Volldampf voraus

Ein schwarzer Waisenjunge, ein mandeläugiges Mädel aus Fernost und ein Lokführer, der auf allen Weltmeeren zu Haus ist: Die „Jim Knopf“-Bücher von Michael Ende sind eine Steilvorlage für Vielfaltsideologen. Verwertet hat sie nach dem Erfolg von „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ (2018) erneut Regisseur Dennis Gansel. Er drehte einen Film für groß und klein.

Denn nicht wenige der Großen wurden groß im Beisein der mehrteiligen Augsburger-Puppenkiste-Adaptionen von „Jim Knopf“ für die ARD Mitte der Siebziger. Die deutlich sichtbaren Marionettenfäden und das Zellophan-Meer würden heute bei Kindern, die täglich perfekte Animationen auf Mamis Handy sehen, wohl ungeduldiges Füßescharren hervorrufen. In der mit teuren Trickeffekten und namhaften Darstellern auf den neuesten Stand gebrachten Knopf-Version besteht die Gefahr nicht.

Und Eltern können das Haltbarkeitsdatum ihrer nostalgischen Puppenkiste-Reminiszenzen testen. Also auf nach Lummerland, die Insel der Glückseligkeit, auf der „sogar der Regen eher ein Wasserkonzert“ ist!

Auf die Kinogänger warten eine Nixe, ein Scheinriese und Piraten

Um für die Trauminsel einen Leuchtturm zu besorgen, stürzen sich Jim und Lukas in ihr zweites aufregendes Abenteuer. Mit ihrer kommunikationsfähigen Lok Emma, einer Art mechanischer Vorstufe zu Siri und Alexa, geht es zunächst zu einem merkwürdigen Magnet-Archipel.

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Ferner treffen die Helden eine Nixe, einen Scheinriesen, einen Halbdrachen und 13 wilde Piraten, die aussehen, als hätte eine Fee Käpt‘n Hook zwölf Zwillingsbrüder herbeigezaubert, um Peter Pan den letzten Nerv zu rauben. Ehe sich alles so schön in Wohlgefallen auflöst, daß es kaum auszuhalten ist, glänzt die 20 Millionen-Produktion mit exotischen Kulissen, Humor und einer hohen Schlagzahl an der Ruderpinne, die die Handlung rasant ihrem verblüffenden Finale entgegenführt.

Man könnte sich in eines der fünf „Fluch der Karibik“-Abenteuer mit Johnny Depp versetzt fühlen, würde die Infantilität der Handlung einen nicht immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen: Was nach großkalibriger Waffe in der Hand sardonischer Seeräuber aussieht, ist nur eine harmlose Spielzeugräuberpistole. Ein Trost für Nostalgiker: Unter Diskrepanzen zwischen kindlichem Fassungsvermögen und Blockbuster-Optik litt die Augsburger Puppenkiste nie.

Lukas der Lokomotivführer (r.) und Jim Knopf sind wieder im Kino zu sehen Foto: picture alliance/Jörg Carstensen/dpa

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