Bischof Hans-Jürgen Abromeit Foto: picture alliance/ dpa
Seminar: „Zwei Völker – ein Land“

Bischof Abromeit warnt vor Überidentifikation mit Israel

BAD BLANKENBURG. Der Bischof der evangelischen Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, hat im Israel-Palästina-Konflikt vor einer Überidentifikation mit dem jüdischen Staat gewarnt. Er habe den Eindruck, daß etwa die palästinensischen Sicherheitsinteressen in den Diskussionen in Deutschland oft nicht richtig beachtet würden, sagte er auf der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg.

Dort hielt der Bischof aus dem Sprengel Mecklenburg und Pommern ein Seminar zum Thema „Zwei Völker – ein Land. Eine biblische Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina“. Laut Abromeit resultiert aus dem Schuldbewußtsein der Deutschen infolge des Holocausts eine Überidentifikation mit dem Staat Israel.

Es werde bewußt nicht unterschieden zwischen dem biblischen Israel und dem heutigen Staat. Das führe aber zu einer Vermischung der theologischen und der politischen Ebene. Auch, daß Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsraison erklärt hat, kritisierte Abromeit. Da sich der israelische Staat als jüdischer Staat verstehe, folge daraus prinzipiell die Benachteiligung der Palästinenser und eine Zurücksetzung ihrer berechtigten Sicherheitsinteressen.

Beim Zionismus handle es sich um die jüdische Form des im 19. Jahrhundert zunehmenden Nationalismus. Der politische Zionismus knüpfe nicht an die Linie der alttestamentlichen Propheten an, beklagte Abromeit. Diese hätten immer deutlich gemacht, daß Juden nie alleine im verheißenen Land gelebt hätten. Er halte es, so der Bischof, für einen Geburtsfehler des Zionismus, daß er diese biblische Linie nicht aufgegriffen, sondern stattdessen behauptet habe, das jüdische Gemeinwesen könne in einer ungenutzten Landschaft aufgebaut werden.

Die Zwei-Staaten-Lösung für den Nahostkonflikt halte er für realpolitisch ausgeschlossen. Sie werde von allen westlichen Regierungen und offiziell auch vom Staat Israel hochgehalten, obwohl alle wüßten, daß sie nicht mehr machbar sei.

Dafür müßte die heutige israelische Regierung etwa eine Million jüdischer Bürger umsiedeln, die in den besetzten Gebieten wohnten. Er glaube, daß man daher den Mut haben müsse, über eine Ein-Staaten-Lösung nachzudenken. Man könne nicht, „wenn man ein demokratischer Staat sein will“, auf der einen Seite durch die Siedlungspolitik Fakten schaffen und gleichzeitig dauerhaft den Menschen im Westjordanland unterschiedliche Rechte zugestehen. (idea/tb)

Bischof Hans-Jürgen Abromeit Foto: picture alliance/ dpa

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