Freiheitswillen

Das im 42. Jahrgang monatlich erscheinende Geschichtsmagazin Damals befaßt sich in seiner aktuellen Ausgabe (1/2010) als Schwerpunktthema mit dem „Wirtschaftswunder“, das den „unerwartet raschen Wiederaufstieg Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg“ – so Eberhard Jäckel in seinem Editorial – begleitete. Tatsächlich war es ein atemberaubender Aufbruch, der mit der Währungsreform 1948 einsetzte. Zwar glichen die Städte teilweise noch Ruinenlandschaften, während zahlreiche Menschen durch den sechs Jahre langen Krieg gezeichnet waren, doch spätestens als 1950 die Zeit der Lebensmittelrationalisierung zu Ende ging und die Menschen wieder richtiges Geld in ihren Portemonnaies hatten, war das „Wirtschaftswunder“ unaufhaltsam.

Daß dies trotz verlorenen Kriegs, Wohnungselend, der Integration von Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, fast einer Million Opfer des Bombenterrors, sechs Millionen gefallener deutscher Soldaten und anderthalb Millionen Vermißter gelang, darf als eine der größten Leistungen des deutschen Volkes, aber auch verantwortlicher Politiker bezeichnet werden, die noch wußten, daß Staat, Nation und Gemeinschaft zu den wichtigsten Werten und Errungenschaften zählen.

Einer dieser Politiker, der bereit war, sich für seine Überzeugungen auch mit den Alliierten anzulegen, war Ludwig Erhard. Er scheiterte letztlich an seiner eigenen CDU und an Kanzler Adenauer. Doch Erhards eigenständiger Weg legte den Grundstein für die Soziale Marktwirtschaft, die seine politischen Gegner als „rheinischen Kapitalismus“ verspotteten. Aber erst dieser „rheinische Kapitalismus“, der im Gegensatz zum angelsächsischen Kapitalismus Wohlstand für alle zum Ziel hatte, ermöglichte letztlich gemeinsam mit dem unbändigen Aufbau- und Freiheitswillen der Deutschen das legendäre Wirtschaftswunder.

Über „Spiegelbilder der Geschichte“ berichtet ein weiterer Beitrag, der sich mit den baltischen Republiken und ihren Hauptstädten Riga, Tallinn und Vilnius beschäftigt. Unter dem Stichwort „Hanse“ beschreibt der Autor den kulturellen Einfluß, den im heutigen Gebiet Estlands und Lettlands über 700 Jahre lang unter wechselnden Fremdherrschaften die stets im Lande verbliebenen Deutschen ausübten. Nach den schlimmen Erfahrungen von über fünf Jahrzehnten Sowjetherrschaft wird dieser einstige deutsche Einfluß heute überwiegend positiv gesehen.

Unter dem Titel „Deutsche Filme für Europa“ stellt ein weitere Beitrag das einstmals größte Filmstudio Europas vor: die UFA in Babelsberg im Jahre 1930. Von erfolgreichen deutschen Filmen wie „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Der blaue Engel“ brachte man dort auch fremdsprachige Versionen ohne Synchronisation und Untertitel heraus, die vor allem in Frankreich, aber auch in England und in den USA sehr beliebt waren. 1936 wurde das Experiment mit den Sprachversionsfilmen eingestellt, weil die Synchronisation inzwischen allgemein akzeptiert wurde und Hollywood mit billigen Bearbeitungen auf dem europäischen Markt Fuß gefaßt hatte.

Anschrift: Konradin Medien. Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen. Das Einzelheft kostet 7,50 Euro, das Jahresabo 88,80 Euro.

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