Ausgemustert

Lautes Stühlerücken bei der Welt-Gruppe des Springer-Konzerns: Jan-Eric Peters (44), bisher Leiter der Journalistenschule („Akademie“) des Verlags, wird neuer Chefredakteur von Welt und Welt am Sonntag, sein Vorgänger Thomas Schmid (64) entschwindet in diffuse Herausgeberhöhen, seine zukünftigen Kompetenzen bleiben ungeklärt. Cornelius Tittel (32), zur Zeit noch Leiter des Berliner Kunstmagazins Monopol, wird nach FAZ-Informationen neuer Feuilletonchef der Welt. Er löst Eckhard Fuhr (55) ab.

Sonderlich überraschend kommt der Postenwechsel nicht. Thomas Schmid war in seiner Position sichtlich überfordert bzw. unterfordert. Statt zu leiten und zu beauftragen, nahm er seinen Redakteuren die Themen weg, schrieb faktisch alles selbst, auch noch die beiläufigsten Petitessen, die ein Chef üblicherweise den Volontären überläßt. Ähnlich stand es im Welt-Feuilleton. Fuhr, ein großer Nimrod vor dem Herrn, ging lieber auf Wildschweinjagd statt ins Regietheater. Er war, wie Schmid, zwar politisch korrekt, sogar überkorrekt, aber organisatorisch eine Fehlanzeige.

Die neuen Herren entsprechen voll dem, was Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner von seinen leitenden Redakteuren erwartet. Es sind coole Typen weit unter Fünfzig, die ebensogut ein Restaurant oder einen Waschsalon leiten könnten statt einer Zeitungsredaktion. „Online“ rangiert bei ihnen weit vor „Print“. Viel wichtiger als das, was vorn zu lesen ist, dürfte ihnen sein, was – um mit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl zu sprechen – hinten herauskommt, als Geld, Profit, Cash.

Man darf getrost davon ausgehen, daß sich unter Peters und Tittel der ohnehin spürbare Trend zur Synergie-Erzeugung, sprich: zum Freisetzen von Redakteuren, noch verstärken wird. Zeilenhonorare und Pauschalverträge werden weiter gekürzt, die Übernahme von gelegentlichen redaktionellen Reisekosten weiter verweigert werden. Trotzdem zeigt man sich in den Redaktionen gelassen. Es hätte schlimmer kommen können, sagen viele, zum Beispiel hätte statt Peters der „Borderline“-Journalist Ulf Poschardt kommen können. Der ist uns nun glücklicherweise erspart geblieben.

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