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Konservativ war gestern

Daß in sozialdemokratischen Zeitschriften kritische Analysen zur parteipolitischen Konkurrenz erscheinen, ist genausowenig verwunderlich wie der Umstand, daß damit ein professoraler „Parteienforscher“ beauftragt wird, der seit über 35 Jahren der SPD angehört. Das allein muß freilich noch nicht gegen die Analyse selbst sprechen, und sei sie auch noch so parteipolitisch motiviert und entsprechend eingefärbt. So ist höchst aufschlußreich, was der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter (53) in der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte (Juli/August 2009) zum Konservatismus der CDU und seinem Erosionsprozeß mitzuteilen weiß.

„Konservativ, wie Sozialdemokraten ihre Gegner von der CDU immer noch gern in polemischer Absicht bezeichnen, sind Christdemokraten zumindest nicht mehr, wollen es mittlerweile auch nicht mehr sein“, leitet der Parteienspezialist seine Betrachtung ein. Die „klassische Partei des Konservatismus in Deutschland“ sei über die 1990er Jahre hinweg liberal geworden. Ein Teil der christdemokratischen „Parteielite“ habe im Jahrzehnt darauf „gar freudig die verpflichtungsfreie und multioptionale Lebensweise“ entdeckt, schreibt Walter.

„Jeder nimmt sich, was ihm gerade gefällt“

So habe der Konservatismus in der CDU mehr und mehr an Boden verloren. Heute sollen genuin Konservative und „streng gläubige“ Katholiken einer Partei die Treue halten, „die sich zunehmend mehr selbstsäkularisiert und von Traditionen gelöst hat“, so Walter, und deren Spitzenpersonal nunmehr selbst „die Vorzüge bindungslockerer Individualität“ goutiere. Dabei könnten sie mit ihrer „demonstrativen Laxheit“ auf einen gesellschaftlichen Trend verweisen. Deshalb müsse die CDU auf Gebote und Mahnungen des „institutionalisierten Christentums“ auch nicht mehr viel Rücksicht nehmen – „und sie tut es auch nicht“. Das habe zu einer „spirituellen Leere“ geführt. „In der modernen CDU herrscht gewissermaßen eine Kantinenmentalität: Jeder nimmt sich aus den Vitrinen, was ihm kulinarisch gerade gefällt.“

Zu einer Integration der unterschiedlichen Lebenskreise sei das mehrheitlich verweltlichte und individualisierte Bürgertum in Deutschland kaum mehr in der Lage, beschreibt Walter das Problem der Union. Auch und gerade der Bundeskanzlerin fehle dafür eine Idee. Angela Merkel sei „kohlistisch“ im Umgang mit der Macht. „Sie schmiegt sich den jeweiligen Beweglichkeiten der Zeit an; sie prägt nicht.“ Als konservativer Wähler sollte man sich das alles gut merken.

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