Visionen über Rassekriege

Der Leipziger Bevölkerungswissenschaftler Volkmar Weiss formuliert in seinem Roman eine Fiktion: Hitler ist im November 1941 mit dem Flugzeug abgestürzt, hat den USA nicht den Krieg erklären und die Juden nicht töten können. Weil der Krieg gegen die Sowjetunion bereits am 10. Mai 1941 begonnen und die Wehrmacht mehr Zeit bis zum Wintereinbruch hatte, wurde er siegreich beendet. Großbritannien hat Frieden geschlossen und das nationalsozialistische geeinte Europa seine Perestroika erlebt. Im Jahr 2084 geht es hier trotzdem chaotisch zu. Denn ab 1960 wurden Gastarbeiter aus der Türkei und Nordafrika angeworben, ihre Familien folgen nach. 1988 wurde das gleiche und geheime Wahlrecht eingeführt. Schließlich bricht das Große Chaos aus, die Ballungszentren gehen in die Hände der Zuwanderer über. Zum Glück gibt es Artam. Ursprünglich ein Militärbezirk mit Kiew als Hauptstadt, trennt es sich vom Reich (das in Bundesrepublik Mitteleuropa umbenannt wird), hält am Führerprinzip fest und befindet sich in dauernden Abwehrkämpfen gegen Asien. Die Bevölkerungsmehrheit bilden Russen, hinzu kommen viele Deutsche, Balten, Skandinavier, denen es in Europa unbehaglich wird. Als 2012 in Südafrika die Pogrome gegen die Weißen beginnen, ergießt sich eine neue Flüchtlingswelle. Später suchen die Weißen aus Südamerika und die Mormonen aus den hispanisierten USA Zuflucht. Artam versteht sich als eine „aus dem Führerstaat hervorgegangene Leistungsgesellschaft“, in der „nicht so sehr die bloße Zahl der Einwohner“ entscheidend ist, „sondern im Gegenteil ihre Begabungen, ihr Leistungswille“. Aber auch Artam hat einen Geburtsfehler. Das Reich hatte für den Krieg gegen Rußland muslimische Hilfstruppen rekrutiert, zunächst aus Albanien und Bosnien, später aus Mittelasien. Diese bilden nun einen Staat im Staate und setzten ihren Anführer Bassajew als Stellvertreter des Zehnten Führers durch. Wird Artam dem Großen Chaos trotzdem entgehen? Akteure sind dabei der Obersturmführer Adrian Schwarz, der im „Reichsippenamt“ arbeitet. Er führt mit den Schwestern Godela und Gundula eine harmonische Ehe, kann aber den Reizen der schönen Ludmilla nicht widerstehen, obwohl diese nicht den rassischen Anforderungen seines Amtes entspricht. Wem die mehr als dreihundert Seiten zu sperrig sind, der kann seine Lektüre auf den Essay „Vom demographischen Übergang zum Untergang“ beschränken. Volkmar Weiss: Das Reich Artam. Die alternative Geschichte. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007, broschiert, 337 Seiten, 18 Euro

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