Joachim Kuhs

 

Spurensuche für die Zukunft

Das von Daniel Junker und Holger Kliemannel im zweiten Jahr herausgegebene „Heidnische Jahrbuch“ möchte eigene Antworten zum Streit der Religionen geben. Vor allem dem germanischen Neuheidentum wird darin eine anspruchsvolle publizistische Plattform geboten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Über 400 Seiten umfaßt das Jahrbuch 2007, die lehrreichen Beiträge decken ein breites Themenspektrum ab, von Polytheismus, spirituellen Erfahrungen, Brauchtum, gesellschaftspolitischer Diskussion, bis zu Historie und Kunst. Es wird ergänzt durch einen Veranstaltungskalender, Buch- und CD-Rezensionen. Thomas Lückewerth stellt den Findlingspark von Henzendorf vor und widmet sich der Tradition bergländischer Perchtenmasken, Ulrike Kahrs schildert das Schicksal des sibirischen Volkes der Mari, der Kunstmaler Voenix nähert sich unterhaltsam dem Schädelkult. Ausführlich widmet sich das Jahrbuch 2007 den Kritikern des Neuheidentums. Seit Jahrzehnten bereits verbreiten „Antifa“ und Kirchenkreise die immer gleichen Anwürfe, wie René Gründer und Christian Brüning in ihren Beiträgen zur deutschen Heidentum-Rezeption herausarbeiten. Selbsternannte „Experten“ faseln dann von „braunen Lichtmenschen“ und setzen Naturreligion fälschlich in eins mit „Rechtsextremismus“. Beide Autoren neigen allerdings durch den Druck von außen selber dazu, allzu einfach nun der „völkischen“ Konkurrenz den Schwarzen Peter zuzuschieben. Der Altgermanist Kurt Oertel hatte sich im Jahrbuch 2006 als profunder Kenner antiker Geschichte erwiesen. In einem Beitrag über den gescheiterten Versuch des germanischen Feldherrn Arbogast, das heidnisch-aristokratische Rom zu retten, schilderte er detailliert, wie der Aufstieg des Christentums über Machtintrigen, massive staatliche Repression und Schlägertrupps aus den Unterschichten gelang. Im Jahrbuch 2007 kann er deshalb aus der Position der Stärke abfällig über manche „germanentümelnde“ Unkenntnis herziehen. Er verkennt dabei allerdings, daß es vielen Germanenkultlern nicht um Geschichtstreue geht, sondern um die Suche nach dem eigenen Wesenskern, zu deren Hilfe man auf einen idealisierten Typus zurückgreift. Die Wege sind verschieden, und Oertel erkennt richtig, daß es um die Wiederbelebung der Erfahrungsreligion für die zukünftige Gesellschaft gehe. Streitbar ist das „Heidnische Jahrbuch“, aber zur religiösen Frage in Deutschland auch eine der gegenwärtig spannendsten Publikationen. Heidnisches Jahrbuch 2007, Verlag Daniel Junker, Hamburg 2007, 412 Seiten, 70 s/w-Abbildungen, 28,80 Euro

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