Gleicher durch Radebrechen

Susana dos Santos-Hermann spricht klares Deutsch, wenn sie sich anstrengt sogar mit regionalem Kölschem Idiom. Trotzdem findet die 39jährige Ratsfrau der Kölner SPD, daß das fortan keine Selbstverständlichkeit sein muß, wenn man für die Domstadt tätig ist. „Wir wollen den Anteil der städtischen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund erhöhen“, fordert die intergrationspolitische Sprecherin ihrer Partei. Deshalb wird die bisherige Praxis im Eignungs- bzw. Einstellungstest ab Mitte 2008 etwas geändert, da viele Bewerber an den sprachlichen Anforderungen scheiterten. Die neuen Kollegen der 17.000 städtischen Angestellten, die schlechtes Deutsch sprechen, bekommen fortan einen Bonus, damit sie wegen dieser Mängel beim Abfragen von logischen, rechnerischen, sozialen und sprachlichen (!) Kompetenzen „nicht benachteiligt“ werden. „Der Anteil der Kölner mit Migrationshintergrund steigt ja auch“, kommentiert die pragmatische Sozialdemokratin mit portugiesischen Wurzeln die Maßnahme im Kölner Expreß, „und die sollen sich in der Stadtverwaltung besser vertreten wissen“. Im Dezernat für Verwaltung, Ordnung und Recht von Stadtdirektor Guido Kahlen (SPD) ist man sicher, daß „diese Defizite im Laufe der Jahre abnehmen“, und prognostiziert in den Sprachtests einfach, welche Fähigkeiten Bewerber in drei Jahren haben könnten. Das auf gleiche Anforderungen abzielende Beamtenrecht dürfte klagewütigen Deutschen auch keine Hoffnung geben: „Paragraph 8 des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes räumt ausdrücklich die Möglichkeit zur unterschiedlichen Behandlung ein“, erläutert die Behörde vorsorglich.

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