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Joanne Berry über Pompeji

Eine „mumisierte Stadt“ nannte Goethe Pompeji, das nach seiner Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert zur wichtigsten Station jeder Italienreise wurde. Hier nahm vor 250 Jahren die Archäologie ihren Anfang als moderne wissenschaftliche Disziplin. Bis heute locken die umfänglichen Ausgrabungen jährlich über zweieinhalb Millionen Besucher in die antike römische Stadt, die am 24. Juni des Jahres 79 n. Chr. in den Glut- und Aschewolken des Vesuv versank, nachdem bereits 16 Jahre zuvor ein Erdbeben starke Zerstörungen angerichtet hatte. Der Vulkanausbruch löschte sämtliche Städte südöstlich des Vesuv aus. Doch hinterließ er trotz seiner verheerenden Auswirkungen der Nachwelt ein bemerkenswertes Vermächtnis: eine römische Stadt, die in einer Momentaufnahme ihrer Geschichte erhalten blieb. Aber er konservierte nicht nur, er zerstörte auch: Plinius der Jüngere, ein Augenzeuge des Ausbruchs erinnerte sich in einem Brief an Tacitus: „Man hörte das Geheul der Frauen, der Kinder Gewimmer, das Schreien der Männer; die einen suchten ihre Eltern, die anderen ihre Kinder, wieder andere ihre Gattinnen; diese bejammerten ihr Schicksal, jene das ihre; es gab solche, die in ihrer Todesangst den Tod herbeiwünschten; viele erhoben die Hände zu den Göttern, noch mehr behaupteten, es gebe jetzt keine Götter mehr und dies sei die ewig dauernde und letzte Nacht für die Welt.“ Seit 15 Jahren gehört Pompeji zum Forschungsschwerpunkt von Joanne Berry, die an der Universität von Swansea Alte Geschichte und Archäologie lehrt. So erfahren wir nicht nur, wie das politische Leben der gesellschaftlichen Elite organisiert war, sondern bekommen auch einen interessanten Einblick in die römische Kultur mit ihrer Architektur. Ein Extrakapitel ist der komplexen Ökonomie Pompejis gewidmet – vom Weinhandel und der Wollverarbeitung über Lebensmittelversorgung bis hin zum Fernhandel. Berrys Buch bietet mit seinen zahlreichen Illustrationen von Monumentalbauten, Wohnhäusern, Läden, Inschriften, Wandgemälden und Mosaiken und mit seinen Exkursen, die alle relevanten Themenbereiche vom Theater bis zur Wasserversorgung abdecken, darüber hinaus eine umfassende Rekonstruktion des Lebens in einer antiken Stadt auf Basis neuester archäologischer Forschung. Wir wissen, was die Pompejaner aßen, kennen ihr Geschirr, können uns die Einrichtung einer Arztpraxis zusammenstellen und staunen über technische Fertigkeiten, erotische Fresken, prachtvolle Stilleben, anmutige Porträts und lebendige Tafelszenen. Joanne Berry: Pompeji. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 2008, gebunden, 255 Seiten, 19,90 Euro

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