Joachim Kuhs

 

Kleine sitzen, Große wandern aus

Die monatlich im 34. Jahrgang erscheinende Zeitschrift Psychologie Heute beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe unter anderem mit den Themen „Partnersuche online“, der „unterschätzten Macht der Sekundärtugenden“ und den Motiven der Auswanderer, die „deutschlandmüde“ ihre Heimat in Rekordzahlen verlassen. Zuvor geht Chefredakteur Heiko Ernst in seinem Editorial jedoch der Frage nach, warum wir uns immer weniger bewegen. Aus einer natürlichen Sache wie der Bewegung sei eine „komplizierte Angelegenheit“ geworden: Auto, Fernseher, Lift, Rolltreppen, Fernbedienung und Computer nehmen uns jede körperliche Anstrengung ab. Nur eine Minderheit raffe sich nach einem sitzend verbrachten Arbeitstag am Abend zu intensiveren Aktivitäten auf. Sein Fazit: Wir sitzen uns zu Tode, vor allem Kinder bewegen sich zu wenig, weil sie vom Bildschirm fixiert werden. War früher zumindest für die Kleinen Stillsitzen eine Qual, tun sie es nun freiwillig. Eine beängstigende Entwicklung! Dabei profitiert nicht nur die körperliche Gesundheit davon, daß man seinen Körper bewegt, sondern auch die Psyche. Schon Ernst Jünger nutzte längere Wanderungen als vorzügliches Mittel gegen seine immer wieder auftretende Melancholie. Zudem sei das Gehen auch dem Sammeln von Denkmaterial äußerst förderlich, und der Geh-Rhythmus helfe es besser zu speichern. Diesem „Lob der Bewegung“ entgegnet der Philosoph Wilhelm Schmid mit einem „Lob der Beharrung“: Es komme darauf an, eine vernünftige Balance zwischen dem aktiven Aspekt der Bewegung und dem passiven Aspekt der Gelassenheit zu finden. Einen Boom erleben derzeit sogenannte „Online-Partnerschaftsvermittlungen“. Unter dem Motto „Wir verlieben Sie!“ assistieren diese Partnerbörsen bei der Suche nach dem geeigneten Lebenspartner. Wie das vor sich geht, schildert ein Beitrag von Anne-Ev Ustorf. Besonderes Augenmerk legt die Autorin dabei auf die Qualität der verschiedenen Anbieter, wobei sie nicht verhehlt, daß die Mitgliedschaften recht teuer sind: „Soziale Kälte prägt den Markt der Liebe im Internet.“ Zudem könnten natürlich trotz aller psychologischen Tests, die hohe Übereinstimmung der Bewerber signalisieren, keinerlei Garantien für ein dauerhaftes, gedeihliches Zusammenleben gegeben werden. Gut 150.000 Deutsche verließen im Jahr 2005 ihr Land, so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Gründe der deutschlandmüden Auswanderer sind dabei verschieden. Manche gehen der Liebe wegen, andere um einen besseren Job anzutreten oder aus purer Abenteuerlust. Die Wissenschaft weiß bis jetzt noch wenig über die Motive und Schicksale derjenigen, die in fernen Ländern wie Kanada, Australien, Neuseeland, den USA oder auch in europäischen Nachbarländern wie der Schweiz, Österreich, Spanien und Großbritannien ihr Glück suchen. Nicht thematisiert wird in dem Beitrag leider, daß es in der Regel sehr gut ausgebildete Facharbeiter, Techniker, Ärzte etc. sind, die Deutschland verlassen, während zur gleichen Zeit integrationsunfähige und oft analphabetische Zuwanderer in die deutschen Sozialsysteme strömen. Anschrift: Beltz-Medien-Service. Postfach 100565, 69445 Weinheim. Einzelpreis 5,90 Euro, Jahresabo 64 Euro. Internet: www.psychologie-heute.de

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