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Getreide im Tank

Als Kornkammer Europas exportiert die Ukraine für gewöhnlich elf bis zwölf Millionen Tonnen Getreide im Jahr. Davon wird man in diesem Jahr weit entfernt sein – am 20. Juni dieses Monats verhängte das Land eine Exportquote von 3.000 Tonnen im Monat; gültig von 1. Juli bis 1. Oktober 2007. Extreme Hitze und 40 bis 50 Tage ohne Regen haben einen Teil der Ernte vernichtet. Das Land könnte etwa zehn Millionen Tonnen Getreide verlieren, was ungefähr einem Drittel der Vorjahresernte entspricht, so Premier Viktor Janukowitsch. Auch Rumänien vermeldet Einbußen in Höhe von bis zu 40 Prozent. Die diesjährige Entwicklung ist allerdings kein Ausreißer – bereits seit einigen Jahren kann die Produktion mit dem steigenden Verbrauch nicht mehr mithalten. Mittlerweile sind die weltweiten Reserven auf den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren gefallen. In der Folge hat sich innerhalb eines Jahres der Preis für Weizen verdoppelt, Mais ist um 60 Prozent teurer geworden und Sojabohnen kosten um 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch die Preise für Fleisch, Eier und Milch ziehen weltweit an. Inzwischen sei der Agrarmarkt „zu einer Sexy-Branche für Hedge-Fonds geworden“, so eine Analyse. Diese Zuspitzung ist nicht alleine auf den steigenden Verbrauch von Fleisch und anderen tierischen Produkten etwa in China oder Indien zurückzuführen. Zunehmend finden landwirtschaftliche Erzeugnisse auch außerhalb der Nahrungsmittelproduktion Verwendung, vor allem als Energieträger. So gingen etwa in den USA 20 Prozent der Maisernte der Saison 2006/07 in die Ethanolgewinnung ein. Bis 2017 soll, so Präsident George Bush, die Produktion von erneuerbaren Treibstoffen auf gut 130 Milliarden Liter ungefähr verfünffacht werden, womit die gesamte Maisernte der USA unter dem Tankdeckel verschwände. Allerdings würde dieser Kraftakt lediglich zwölf Prozent des gegenwärtigen US-Kraftstoffverbrauches ersetzen. Auch hierzulande ist man bestrebt, den Anteil an Biosprit weiter zu erhöhen. Dabei bedeutete alleine die geplante Anhebung des Biotreibstoffanteils in der EU auf 5,75 Prozent des Gesamtverbrauchs bis 2010 einen Flächenbedarf von über acht Millionen Hektar innerhalb der EU und mehreren Millionen Hektar außerhalb, so eine Studie der EU-Kommission. Mehr und mehr verschmilzt damit die Preisbildung von Agrarprodukten mit der von Energieträgern. Das heißt, daß etwa Autofahrer mit den schätzungsweise 2,7 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar täglich auskommen müssen, in direktem Wettbewerb um Getreide stehen. Während ersteren die gegenwärtigen Preissteigerungen wenig ausmachen, stehen letztere rasch vor einem existentiellen Problem. 2025 könnten infolge steigender Preise für Grundnahrungsmittel aufgrund der erhöhten Nachfrage nach „Biosprit“ 1,2 Milliarden Menschen unter chronischem Hunger leiden – 600 Millionen mehr, als ohne diesen Faktor, so die Autoren eines Textes in der Maiausgabe der Foreign Affairs. Neue Ansätze, die nicht nur die Frucht, sondern die ganze Pflanze durch Vergasung oder Vergärung nutzen, versprechen Abhilfe. Doch sind diese von der Marktreife noch Jahre entfernt und letztendlich bleibt auch hier das Problem, daß die Gewinnung von Energie aus Biomasse mit anderen Verwendungsarten der jeweiligen Flächen konkurriert. Daher schlägt das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie in einer neuen Studie eine „kaskadenförmige Nutzung“ vor, „bei der Biomasse zunächst materiell für Ge- und Verbrauchsprodukte eingesetzt wird“, bevor am Ende ihrer Einsatzphase ihr Energiegehalt genutzt wird. Vor allem aber sei eine Senkung des Verbrauchs etwa durch erhöhte Ressourceneffizienz anzustreben – ein bloßer Ersatz fossiler durch erneuerbare Energieträger wäre lediglich geeignet, „Probleme zu verlagern und die globale Umweltsituation sogar noch zu verschlechtern.“ Informationen zur Biomassenutzung unter: www.wupperinst.org/de/publikationen/entnd/index.html?&beitrag_id=578&bid=81 Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe www.bio-energie.de

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