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Kongeniales

Am 12. Mai wurde der Jazzmusiker Klaus Doldinger, der auch als Komponist von TV- und Filmmusik bekannt wurde, 70 Jahre alt. Dieser Geburtstag war für Roberto Di Gioia Anlaß, ein Trio-Album zu Ehren Doldingers einzuspielen. Di Gioia, Keyboarder in Doldingers Formation Passport, der Bassist Dieter Ilg sowie der Schlagzeuger Wolfgang Haffner (auch er gehörte zeitweilig zu Passport) haben auf ihrer Einspielung „Abracadabra – Celebrating Klaus Doldinger“ (ACT/Edel 9447-2) zwölf Doldinger-Kompositionen in einem höchst hörenswerten Album verarbeitet, auf dem sich neben Passport-Titeln wie „Sambucada“, „Ataraxia“, „Sahara“, „Handmade“ oder „Abracadabra“ auch die bekannten Titelmelodien von „Tatort“, „Liebling Kreuzberg“ sowie zum deutschen U-Boot-Drama „Das Boot“ (1981) finden. Die letztgenannte Aufnahme kann nicht anders als kongenial genannt werden, ist es dem Trio doch gelungen, den suggestiv-bedrohlichen Charakter der „Boot“-Titelmelodie eindrucksvoll neu zu arrangieren. Insbesondere diese Filmmelodie trug erheblich mit dazu bei, daß der in Berlin geborene und in Wien aufgewachsene Doldinger Anfang der 1980er Jahre weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde – ungewöhnlich für einen deutschen Jazzmusiker, der sich allerdings nie als Purist verstand, sondern immer auf die Mischung „Folklore plus Rock plus Jazz“ setzte. Auch der 1965 in Mailand geborene italienisch-deutsche Jazz-Pianist Roberto Di Gioia ist alles andere als ein Unbekannter. Nach diversen Kooperationen widmet er sich etwa seit 1995 der Realisierung eigener Projekte, an denen in der Regel Wolfgang Haffner mitwirkt. Daß Di Gioias Tribut an Klaus Doldinger bei ACT erschienen ist, kommt nicht von ungefähr. Siegfried Loch, der Eigentümer des Labels, produzierte 1962 Doldingers erste Platte „Jazz Made in Germany“, die auch in den USA ein Erfolg wurde. Dieses Album ist zu Doldingers Geburtstag als Teil einer Box mit Doldingers sämtlichen Einspielungen für das Label Philips wiederveröffentlicht worden. Siegfried Loch war es denn wohl auch, von dem der entscheidende Anstoß für das Trio-Album „Abracadabra“ ausging, das über 61 Minuten hinweg beweist, wie varianten- und spannungsreich die Kompositionen Doldingers arrangiert werden können. Eine Wiederveröffentlichung ist Freddie Hubbards Quintett-Album „Here to stay“ (Blue-Note-Records: RVG-Edition), das Ende 1962 von Hubbard an der Trompete, Wayne Shorter (Tenorsaxophon), Cedar Walton (Klavier), Reggie Workman (Bass) und Philly Joe Jones (Schlagzeug) für das New Yorker Label Blue Note eingespielt, aber erst 1976 veröffentlicht wurde. Hubbard startete seine Karriere 1958, bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit mit Art Blakey und dessen Jazz Messengers. Für Blue Note spielte er in den 1960er Jahren insgesamt acht Alben als Bandleader ein, auf vielen anderen Einspielungen wirkte er mit. Mit Sicherheit gehört Hubbard, Jahrgang 1938, zu den begnadetsten Trompetern des Jazz, einige Stücke von ihm sind inzwischen Klassiker der Jazz-Geschichte. Sein Renommee litt zwischenzeitlich allerdings unter einer Reihe arg kommerziell geratener Alben, die von der Kritik alles andere als goutiert wurden. Dessenungeachtet kann Hubbard auf eine große Wirkungsgeschichte verweisen; viele Trompeter sind von ihm beeinflußt worden. Warum das so ist, davon legt „Here to stay“ Zeugnis ab: Auf diesem Album ist ein technisch perfekter, dynamischer sowie ideenreicher Hubbard zu hören. Wohlgemerkt: Hubbard war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme erst 24 Jahre alt, hatte er sich aber bei den Jazz Messengers längst profiliert – und dies bei Vorgängern wie Clifford Brown und Lee Morgan, die wahrlich keine Unbekannten in der Geschichte des Jazz sind.

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