Das Ziel wurde nicht erreicht

Vor vier Jahren, als sich die soeben im Endspiel unterlegenen Spieler der DFB-Auswahl von den Fifa-Offiziellen die obligatorische Plakette als Dankeschön fürs Mitmachen umhängen ließen, um sodann dem Triumphgeheul der brasilianischen Sieger beizuwohnen, damals, da gab es für die Millionen von erschöpften deutschen Fernsehzuschauern, die Zeuge dieser demütigenden Szene wurden, einen Trost. 2006, so durften sie sich einreden, da ist die Weltmeisterschaft bei uns, und da holen wir uns, so wie es uns ja 1974 als Gastgeber auch schon einmal gelungen ist, den Titel. Diese Hoffnung hat sich, wie nüchtern bilanziert werden muß, leider nicht erfüllt. Anders als 2002 wurde in diesem Jahr sogar eine Mannschaft Weltmeister, der gegenüber es schwerfällt, aufrichtige Sympathien zu entwickeln. Ein Titelgewinn der Brasilianer vermochte noch nie so recht zu empören. Die Italiener hingegen müßten bei einem Turnier schon außergewöhnlich souverän und ritterlich auftreten, damit man ihnen nach all den von ihnen in der Vergangenheit begangenen Sünden wider den Fußball einen Erfolg von Herzen gönnen dürfte. Statt dessen haben sie sich durchgemogelt und waren sogar so fies, durch zwei späte und daher nicht mehr aufzuholende Tore der Party in Schwarz-Rot-Gold einen kurzzeitigen Stimmungsknick zu bescheren. Und zu guter Letzt haben sie auch noch der glorreichen Generation Zidane ein glanzvolles Karriereende verweigert. Zur Belohnung entführten sie den Pokal in ein Land, dessen oberste Profiliga sich als ein Netzwerk der organisierten Kriminalität zu entpuppen scheint. Befremdlicher als das Recht der Italiener, fortan vier Sterne auf ihrer Brust zu tragen, ist aber die willentliche Weigerung der deutschen Öffentlichkeit, die Leistung der DFB-Auswahl sachlich zu bewerten. Sicher, Schweinsteiger, Podolski & Co. haben zum Teil mitreißenden Fußball geboten und mögen zu Recht den Titel „Weltmeister der Herzen“ tragen. Das ändert freilich nichts daran, daß Jürgen Klinsmann sein vor zwei Jahren vollmundig verkündetes Ziel, den WM-Titel zu holen, nicht zu erreichen vermochte. Sein Team hat vor heimischem Publikum schlechter abgeschnitten als Rudi Völlers Mannen vor vier Jahren im Fernen Osten. Kaum einmal konnte es an die Lei-stungen der Endspielelf von Yokohama anknüpfen. Vergessen gemacht wurde allerdings das Debakel bei der Europameisterschaft von 2004. Und so richten sich die Hoffnungen nun, ohne diesen Pragmatismus wäre es um Fußballfans schlecht bestellt, halt auf das nächste Turnier. Setzt die deutsche Nationalmannschaft ihren Aufstieg fort und holt bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz den Titel? Dies wird, wenn es soweit ist, das Thema einer neuen Kolumne sein.

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