Kriegsgrund Nummer eins

In den letzten Jahren hat sich der weltweite Kampf um das Öl stetig verschärft. Der Wettlauf um den Zugang zu den großen Ölreserven des Nahen Ostens führte bereits zu geopolitischen Dauerkrisen, die jederzeit in offene Kriege ausarten können. Im Irak ist dieser Fall schon eingetreten, die Gegenden um das Kaspische Meer werden vermutlich die nächsten Schauplätze des unerbittlichen Kampfes um das „schwarze Gold“ sein. Und während der Ölbedarf der Industrienationen, zu denen inzwischen auch China und Indien gehören, ständig zunimmt, wird naturgemäß auch die Frage einer Umgestaltung zu erneuerbaren Energien immer dringlicher. Robert H. Motzkuhn, Wirtschaftswissenschaftler im Banken- und Finanzdienstleistungssektor, der bei einem mehrjährigen Aufenthalt im Öl-Staat Kuwait hautnah mit dieser Problematik konfrontiert wurde und vor drei Jahren mit dem Buch „Crashonomics. Vom Börsenkrach zur Wirtschaftskrise“ in Fachkreisen einiges Aufsehen erregte, schildert in seinem neuen Buch „Der Kampf ums Öl. Weltvorräte, Ölmultis und wir“ die historischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge um den wichtigsten Rohstoff unserer Welt. Detailliert und kenntnisreich beschreibt der Autor die jeweiligen Anteile der einzelnen Staaten an Reserven, Förderung sowie Verbrauch von Erdöl und gibt dabei begründete – wenngleich nicht unbedingt optimistische – Ausblicke in die nächste Zukunft. Denn in der Tat wird in den nächsten Jahrzehnten die ökonomische, politische und soziale Entwicklung in den großen Industrieländern nicht unwesentlich davon bestimmt sein, wie der Streit um den begehrtesten Rohstoff unserer Tage entschieden wird. Unbedingt notwendig wäre daher auch angesichts einer vor allem in den Entwicklungsländern permanent wachsenden Weltbevölkerung eine ernsthaft betriebene radikale Wende in der Energiepolitik. Die ist jedoch weit und breit nirgendwo in Sicht. Die drohenden Kriege um die großen Ölreserven und das kommende Ende des Erdölzeitalters werden uns also vermutlich noch vor bislang ungeahnte Probleme stellen. Robert H. Motzkuhn: Der Kampf um das Öl. Weltvorräte, Ölmultis und wir. Hohenrain Verlag, Tübingen 2005, 495 Seiten, broschiert, 19,80 Euro

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