Joachim Kuhs

 

Der „Bravo“-Leser im Juristen

Arbeits- und Personalrecht bildet den Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von Justament, eines zweimonatlich im juristischen Verlag Lexxion erscheinenden Hefts mit dem selbstbewußten Untertitel „Die Referendarzeitschrift“. In einem Interview mit zwei Berliner Fachanwälten, die laut der „Großen Anwaltsliste 2000“ von Focus zu den Besten gehören sollen, erfährt der Leser, daß Arbeitsrecht für Anwälte sehr lukrativ sei, weil gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten Kündigungsschutzverfahren stark zunehmen. Ferner müsse der Berufseinsteiger nur selbständig und kritisch denken können. Erfahrungsgemäß benötige man fast keine Vorkenntnisse, denn „das arbeitsrechtliche Spezialwissen lernt man innerhalb kürzester Zeit in den ersten drei Monaten“. Ein weiterer Artikel porträtiert Alexandra Titze, die eine ungewöhnliche Karriere bei der Birthler-Behörde machte. Ursprünglich begann sie als Verwaltungswirtin und schaffte dann den Aufstieg von der Personalsachbearbeiterin zur Justitiarin, indem sie nebenberuflich ein Jurastudium absolvierte. Das sei zwar eine ständige Doppelbelastung gewesen, aber es habe sich gelohnt. Obwohl sie es nicht bräuchte, möchte sie noch das Assessorexamen machen. Die Tätigkeit in der Verwaltung kennzeichnete sie mit folgendem Satz: „Man hat im Justitiariat einer öffentlichen Behörde nicht diesen knallharten Überlebenskampf wie in der Wirtschaft.“ Ferner wird in einem interessanten Beitrag dargestellt, welche Instrumente der Personalgewinnung und Bewerberauslese derzeit üblich sind. Dabei wird am Rande auch erklärt, daß Assessment-Center ein im Auftrag der deutschen Heerespsychologie in der Weimarer Republik entwickeltes Verfahren seien, mit dem ursprünglich der sozialen Diskriminierung bei der Auswahl von Offizieren begegnet werden sollte. Neben ausführlichen Rezensionen enthält Justament regelmäßig eine Kolumne mit dem Titel „Geheime Aufzeichnungen einer Referendarin“. Darin wendet sich „Alexa“ an ihr „Liebes Tagebuch“ und bringt ihre Sorgen und Nöte während des Referendariats zu Papier. Nicht nur lustig, sondern teilweise tiefsinnig sind „Alexas“ Erfahrungen. Für angehende Volljuristen dürfte es tröstlich sein, daß es „Alexa“ oft ähnlich ergeht. Zudem ist Lebenshilfe in Zeitschriften für Juristen sehr selten. Um etwas Auflockerung zu bieten, schließt jedes Heft mit einer „Foto-Story“ ab, klassisch mit Bildern und Sprechblasen. Manchmal wird auch eine Foto-Love-Story gebracht, in der es darum geht, wie „Justus“ sich um die hübsche Referendarin „Lexi“ bemüht und dabei von „Examenskandidat 0815“ gestört wird. Vermutlich meinen die Heftmacher, daß in jedem Nachwuchsjuristen noch der pubertierende Bravo-Leser steckt. Insgesamt ist die ansprechend aufgemachte Zeitschrift wirklich lesenswert, denn sie dient nicht nur der subtilen Werbung für verlagseigene Literatur wie viele andere Publikationen, die zum Mitnehmen in den Referendargeschäftsstellen der Landgerichte aufliegen, sondern hat tatsächlich einen darüber hinausgehenden Informationswert. Anschrift: Lützowstraße 102-104, 10785 Berlin, Internet: www.justament.de . Ein Jahresabo kostet 9 Euro.

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