Superwahljahr

 

und Wissenschaft Blick zurück im Neid

Herausgeber der im 11. Jahrgang vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Wirtschaft und Wissenschaft ist der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Hier ist man am Thema Bildung naturgemäß sehr interessiert, und so lautet das Titelthema der jüngsten Ausgabe „Zukunftsmarkt Weiterbildung“. Bereits das Editorial bemängelt, daß die Weiterbildungsangebote von Hochschulen hierzulande ein Nischendasein fristen, und dies obwohl ein wachsender Markt und ein profitables Geschäft locken und zudem Bedarf und Nachfrage nach Weiterbildung ständig steigen. Schuld an dieser Misere sind unter anderem die Überlastung der Hochschulen mit der Erstausbildung, unzureichende finanzielle Anreize und die traditionell gering ausgeprägte Dienstleistungsorientierung der Universitäten und Fachhochschulen. Um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, müßten die Hochschulen die Weiterbildung systematischer und zielgerichteter als bisher angehen. Natürlich habe auch die deutsche Wirtschaft dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Warum deutsche Universitäten US-Hochschulen hoffnungslos unterlegen sind, erklärt ein weiterer Beitrag. So sei in den USA die ministerielle Verordnung als Regulativ unbekannt, um die besten High-School-Absolventen, Graduierten und Professoren werde dort regelrecht gekämpft, und ein Verbot von Studiengebühren würde sowohl bei Studenten als auch bei Dozenten Unverständnis auslösen. Positiv wirke sich auch die dezentrale Organisation des gesamten Hochschulsystems aus. Angesichts der gewaltigen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA ist der Autor jedoch skeptisch, ob man auch hier den Mut zum „Wettbewerb der Institutionen“ habe. Zu den Schlüsselstellen für einen echten Wettbewerb gehören nämlich vorrangig Studiengebühren, dann würde der Student als zahlender Kunde umworben, der sich die Universität nach ihren besonderen Vorzügen aussucht, wobei umgekehrt die Hochschule das Recht hat, sich auch ihre Studenten auszusuchen. Im „Forum“ schreibt Bernhard Löffler über „Die Öffentlichkeitspolitik Ludwig Erhards“. Der „Vater des Wirtschaftswunders“ im Westdeutschland der fünfziger Jahre habe besonders die „psychologische Komponente“ der Ökonomie, den Umgang mit öffentlichen Stimmungen und das Werben um Vertrauen in die eigenen Maßnahmen geschätzt und beherrscht. Das ausgewogene Mischungsverhältnis von Modernität und Tradition, die Wahrnehmungsbilder, die sein öffentliches Image bestimmten und die „permanente Zwiesprache mit den Massen“ als Erhards „Lebenselixier“ standen im Zentrum seiner erfolgreichen Politik. Erhard beherrschte gleichermaßen das „professorale Belehren wie den volksnahen Auftritt und den publikumswirksamen Streit“. Durch seine guten Kontakte zu einem festen Kreis von Journalisten und Verlegern („Brigade Erhard“) wurde er von den Bürgern als „dynamische Wahlkampflokomotive“ wahrgenommen. Daran würde wohl mancher unserer heutigen Spitzenpolitiker gern anknüpfen. Anschrift: Barkhovenallee 1, 45239 Essen. Internet: www.stifterverband.de

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