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Personifizierter Chauvinismus

Die Normalisierung des deutsch-polnischen Verhältnisses seit dem Systemwechsel von 1989 hat es auch den Historikern möglich gemacht, Themen aufzugreifen, die zuvor zumindest als heikel angesehen wurden.“ Als Kennzeichnung des Gegenstandes, dem sich der polnische Historiker Markus Krzostka seit 1991 widmet, wirkt die Apostrophierung „heikel“ wie eine Beschönigung. Geht es doch bei Zygmunt Wojciechowski um einen Historiker und Publizisten, der, wäre er Deutscher gewesen, schon lange als „Schreibtischtäter“ am Pranger stünde. Wobei gleich hinzuzufügen ist, daß kein deutscher Historiker seiner Generation eine annähernd vergleichbare „Täterbiographie“ aufweist. Und eine solche Vergleichsmöglichkeit eröffnet zu haben, ist maßgebliches Verdienst dieser bei Klaus Zernack und Jan Piskorski entstandenen Dissertation. Auf breiter Quellengrundlage widerlegt sie anhand eines exemplarischen „politischen Professors“, was Krzostkas Doktorväter bisher gern bestreiten: daß nämlich die polnische „Westforschung“ der Zwischenkriegszeit massiver politisch funktionalisiert wurde als die deutsche „Ostforschung“. Jörg Hackmann, ein anderer Doktorand Zernacks, geht mit dieser These geradezu hausieren. Und der in der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission aktive Piskorski lanciert, gestützt auf Hackmann, die apologetische Ansicht, die Exponenten des „polnischen Westgedankens“ hätten sich bescheiden „auf Posen und kleinere Zentren in Oberschlesien“ beschränkt und seien der „mächtigen Bewegung“ deutscher Ostforscher unterlegen gewesen. Über so peinliche Exkulpationsversuche kann man nach der Lektüre dieser Studie nur lächeln. Wojciechowski personifiziert den polnischen Chauvinismus in intellektuell radikalster Ausprägung und seiner tief im 19. Jahrhundert verwurzelten antideutschen Aggressivität, die von keiner preußischen Ansiedlungspolitik erst geweckt werden mußte, die lange vor der NS-Besatzung imperialistische Ausgriffe in Richtung Pommern und Ostpreußen plante – „ethnische Säuberungen“ inklusive. Markus Krzoska: Für ein Polen an Oder und Ostsee. Zygmunt Wojciechowski (1900-1955) als Historiker und Publizist. Fibre Verlag, Osnabrück 2003, 482 Seiten, Abbildungen, 35 Euro.

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