Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Von Gott und der Welt

Communio – Untertitel: „Internationale Katholische Zeitschrift“ – erscheint zweimonatlich im 32. Jahrgang. Zu den Herausgebern gehören neben Helmuth Kiesel und Nikolaus Lobkowicz unter anderem Kardinal Lehmann sowie die Bischöfe Walther Kasper und Christoph Schönborn. Zum vierköpfigen Redaktionsbeirat zählt auch Eberhard Straub. Die Zeitschrift pflegt darüber hinaus eine enge und weltumspannende Zusammenarbeit mit 15 gleichnamigen Periodika in allen Erdteilen. Das Schwerpunktthema einer der jüngeren Ausgaben lautet „Christentum in der Moderne“. Im Editorial wird gefragt, wie die Christen generell der Zeit und der Geschichte gegenüberstehen. „Eine bestimmte Hygiene des Verhältnisses zur Zeit“ sei notwendig, um der „ideologischen Chronolatrie“ im aufklärerischen, positivistischen oder marxistischen Fortschrittskult vorzubeugen, ohne jedoch dabei dem Kulturpessimismus zu erliegen. Zwar gelte die Moderne religionssoziologisch als das „Zeitalter der Säkularisierung“, aber dieses Schlagwort müsse einer differenzierten Sicht weichen, weil Religion „als Faktor in der Identitätsbildung des Individuums“ trotz des Nachlassens der kirchlichen Bindungen und der Religion als Institution bestehen bleibe. Auch innerhalb der Moderne könne man – im Sinne der Philosophin Simone Weil – eine alternative Denkweise vorlegen. „Gibt es eine Verantwortung für die Geschichte“? fragt Nikolaus Lobkowicz und warnt gleichzeitig davor, „die Fehler jener Zeiten zu wiederholen, in denen fast alles, was der Kirche aus ‚der Welt‘ entgegenkam, als Irrweg oder gar deliramentum, ‚alberne Wahnvorstellung‘ abgelehnt wurde“. Eine recht problematische Aussage, weil einerseits die Welt als Schöpfung Gottes natürlich gut und positiv zu bewerten ist, andererseits die Heilige Schrift den Begriff „Welt“ schwerpunktmäßig als den Bereich des „Außerhalb-Gottes-Seins“ bezeichnet: „Wir sind aus Gott, aber die Welt steht unter der Macht des Bösen“ (1 Joh 5,19). Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema „Pop-Religiosität“. Die Autorin fragt nach den religiösen Dimensionen der Popular-Musik und registriert dabei eine „Offenheit für popsozialisierte religiöse Angebote“. Dies entspricht in der Tat dem seit längerem von Religionssoziologen beobachteten Phänomen eines Rückgangs von Christlichkeit und Kirchlichkeit, während gleichzeitig ein verstärktes Aufkommen religiöser Suchbewegungen unverkennbar ist. Gefragt seien heute „frei flottierende religiöse Aufbrüche“, die nicht in institutionalisierten Formen abliefen. Religion werde emotionalisiert und subjektiv verinnerlicht. Allerdings wird dem Leser aber auch hier nicht vermittelt, daß dieses Phänomen doch wohl sehr viel damit zu tun hat, daß in den letzten dreißig Jahren innerhalb des kirchlichen Raumes eine bewußte Entspiritualisierung und Entsakralisierung ungeheuren Ausmaßes stattgefunden hat, die das Erscheinungsbild der Kirche ins Gewöhnliche, Banale und Sakrilegische verzerrte. Anschrift: Lindenmattenstr. 29, 79117 Freiburg. Einzelpreis: 8 Euro, Jahresabo: 35,50 Euro

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