Nebenkriegsschauplatz

Richard Perle ist ein vielbeschäftigter Mann. Täglich begegnet uns der Vorsitzende des Defense Policy Boards des US-Verteidigungsministeriums auf allen Fernsehkanälen, wo er mit versteinerter Miene die Kriegspolitik der USA erläutert. Er kennt sich aus, schließlich hat er beharrlich auf den Irak-Krieg hingearbeitet. Hauptberuflich arbeitet Perle in der Medienbranche, ist Vorstandsvorsitzender des internationalen Konzerns Hollinger Digital und Direktor der Zeitung Jerusalem Post. Den Job im Pentagon macht er ehrenamtlich und ohne Gehalt. Aber völlig uneigennützig ist sein Dienst fürs Vaterland wohl nicht. Nach Recherchen des Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh ist Perle an verschiedenen Firmen beteiligt, die im Zuge des „war on terror“ lukrative Aufträge erhalten. So zum Beispiel an Trireme Partners, die im November 2001 in Delaware gegründet wurden. Nach eigenen Angaben handelt Trireme mit „Technologie, Gütern und Dienstleistungen, die von hohem Wert für die Heimatsicherung und Verteidigung sind“. In einem Brief an Adnan Khashoggi, einen millionenschweren saudischen Waffenhändler, hebt Trireme hervor, die Angst vor Terroranschlägen werde die Nachfrage in Zukunft beleben. Als Wink mit dem Zaunpfahl muß wohl Triremes Hinweis verstanden werden, drei Manager der Firma seien aktuell Berater des Pentagons, darunter Henry Kissinger und eben Richard Perle. 45 Millionen Dollar Startkapital seien bereits zusammen. Die Dienstvorschriften für US-Beamte verbieten eine Verquickung von politischer Tätigkeit mit privaten Geschäftsinteressen. Aber Perle ist kein Beamter. Unter Reagan steigt er bis zum Staatssekretär im Verteidigungsministerium auf, nahm 1987 aber seinen Abschied. Das 1985 ins Leben gerufene Defense Policy Board liegt in einer juristischen Grauzone. Es ist zwar kein offizielles Organ der Regierung, doch seine Mitglieder, darunter hohe ehemalige Militärs und pensionierte CIA-Direktoren, haben Zugang zu Geheimdienstinformationen. Viele der Pentagon-Berater sind eng mit der Rüstungsindustrie liiert. Pikant ist daher Hershs Beschreibung eines gemeinsamen Essens von Perle mit zwei saudischen Geschäftsleuten und potentiellen Trireme-Investoren, Khashoggi und dem gebürtigen Iraker Harb Zuhair, in Marseilles am 3. Januar diesen Jahres. Es gibt widersprüchliche Aussagen, ob der Zweck des Treffens politischer oder geschäftlicher Natur war. Kaum eine Woche, nachdem Hershs mehrseitiger Artikel im Magazin The New Yorker erschienen war, schlug Perle in der New York Sun zurück. „Es sind nur Lügen, von Anfang bis Ende“, schimpfte er gegenüber dem Blatt, das teilweise im Besitz des Hollinger-Konzerns ist. Gegen Hersh werde er eine Klage wegen Verleumdung anstrengen, kündigte Perle an, allerdings nicht in den USA, sondern am Londoner Queen’s Counsel, da das englische Presserecht mehr Chancen böte. Beim New Yorker sieht man die Sache gelassen: „Der Artikel ist seriöse Berichterstattung“, betont Herausgeber David Remnick. Alle Fakten seien streng geprüft worden. Dagegen beklagt Stephen Bryen, ein früherer Unterstaatssekretär im Pentagon: „Es ist ziemlich empörend, wenn ein linker Journalist wie Hersh solche Anschuldigungen ohne jede Faktenbasis macht.“ Viele Stunden arbeite Perle täglich, um der Regierung in der Irak-Frage zu helfen. „Er sollte dafür eine Ehrenmedaille bekommen“, so Bryen.

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